»Vierzehnjährig«, pflegte Dimitri zu sagen, wenn ich meine »guten Momente« hatte. Aber er vergaß, vergaß sofort, daß er sich eben noch entzündet hatte an jener Lux, vergaß es vollständig, wenn sie unter seinen wilden Worten verschwand, verhuschte.

Er vergaß. Gedächtnis, Treue und Ethik, ein Zusammenhang, den Weininger in einer jener Partien seines Buches, aus denen es quillt wie Licht aus dunkeln Höhlen, scharfsinnig dargetan hat.

Und ich wurde älter und älter an ihm, – uralt in rasendem Tempo, in dieser wilden, allzu wilden Gemeinschaft. Und als er mich damals, an jenem letzten Tag, vor den Spiegel schleppte: »Ist das die Frau, die ich vor drei Monaten (o mein Elba!) kennen lernte, warum läßt du dich denn zerstören, du?«, da, da war ich hundertjährig geworden.

Jetzt? »In seiner Liebe leucht' ich und lach' ich nun auf!«


Als er, Dimitri, mich das letztemal sah, da war ich ein grauer Schatten, ein zerstörtes Weib. Mit meiner Stimme hatte ich meinen Körper verloren!


»Hundertjährig war sie! Und was sie doch grünt und blüht! Die reine Rose von Jericho!«

»Bin aber auch schön in warmes Wasser gelegt worden! Da streckt und dehnt sie die zusammengerollten Blätter, die Rose von Jericho, bis sie wieder blühend und duftend auf dem Teller schwimmen.«

O Rose von Jericho! Und da warst du auch schon am Klavier, und wir sangen in Duo: