»Warum heilst de denn?«

»Dort of'n Tisch liegt'r unner guter Schinknknochn rattnkahl abgezaust,« schluchzte die untröstliche Gattin.

»O diese – diese –« knirschte Richter und fand keinen Ausdruck, der ihm kräftig genug schien. Aber seine Frau examinierte ihn scharf: »Wieso ham denn die gewußt, daß mir en Schinkn drheeme ham?« da wurde er kleinlaut und bekannte, daß er den Schützenbrüdern selbst den Mund wässerig gemacht habe, indem er den Schinken über den Schellenkönig gelobt habe.

Jetzt fand die Gattin das erlösende Wort: »Du Kamel! Ich hab mirsch doch gedacht, daß du wieder emal der Dumme warscht. –«

»Un du de Gescheidte, daß de ne Schinkn hergeem hast. Ich denk mir ham uns enander nischt vorzewerfn, aber ich hab schon mein Plan: – – Der Stoff zu en Anzug, den de mir ze Weihnachtn geem hast, der liegt doch noch in der Kommod; von den lassn mir beim Piefke en Rock un beim Windsheimer Hose und Weste machen. Alles übrige werd sich findn.«

Siegesbewußt erschien Richter wieder im Wachlokale.

Schon lange hatte das Elfeglöckel die siebende Abendstunde eingeläutet, leerer wurde es um die Vogelstange, von der August Schuhmann in seinen Erinnerungsblättern von 1819 so schön schreibt, sie sei »die Drehspindel des Vergnügens« und der Grundtext des Vergnügens sei: »Freuet euch des Lebens«.

Vor dem Saalbau stellten sich die Schützen zum Einzug auf, mit der Front nach den Fenstern zu. – In Vertretung des Hauptmanns kommandierte Leutnant Schreyer. Das vorletzte Kommando sollte gegeben werden, doch ach, – auch Schreyer hatte sich ein bischen zuviel des Lebens gefreut und so geschah es, daß er in der Aufregung »links – um!« kommandierte und nun waren die Nasen nach der entgegengesetzten Seite gerichtet. Einige Schützen hatten aber doch instinktiv die richtigere Rechtswendung gemacht und so standen sich der dicke Höfer und der Fahnenträger Burkhardt Nase gegen Nase gegenüber.