Da lag wirklich wieder ein Dampfer, und diesmal war es die „Prinzeß Juliana”.

Nun paßte ich besser auf und studierte alles so eingehend und genau, besonders die Beschaffenheit des Flußufers, daß ich meiner Sache sicher war.

Nachts um zwölf Uhr war ich an meinem ausgewählten Platz. Das Ufer war steinig, und die Ebbe fing eben erst an zu laufen. Leise zog ich meine Stiefel, Strümpfe und Jacke aus, verstaute meine Strümpfe, meine Uhr, Rasierapparat usw. in meine Mütze, setzte diese samt dem teuren Inhalt auf den Kopf und band sie fest.

Dann versteckte ich Jacke und Stiefel unter einem Stein, zog den Ledergürtel meiner Hose fest an, und so angezogen wie ich war, kroch ich leise ins Wasser und schwamm nach der Richtung meines Dampfers hinaus.

Die Nacht war regnerisch und dunkel. Bald konnte ich auch nicht mehr das Ufer erkennen, das ich eben verlassen hatte. Matt konnte ich jetzt eben die Umrisse eines Ruderbootes vor mir ausmachen, welches verankert lag. Ich strebte darauf zu, und trotz furchtbarster Anstrengung kam und kam ich nicht näher. Meine voll Wasser gesogenen Kleider wurden immer schwerer und drohten mich herabzuziehen; die Kräfte fingen an zu erlahmen, wie Schatten huschten an mir einige Ruderboote vorüber, die in Wirklichkeit aber verankert lagen, und an denen ich durch die starke Strömung vorbeigerissen wurde. Krampfhaft, mit meiner ganzen Energie schwamm ich weiter und versuchte den Kopf über Wasser zu halten.

Bald jedoch schwanden mir die Sinne, und als ich wieder zu mir kam, lag ich hoch und trocken auf glatten, von Seetang überwucherten Steinen.

Ein gütiges Geschick hatte mich an einige der wenigen steinigen Stellen des Strandes getrieben, da, wo der Fluß einen scharfen Knick machte; und durch das bei Ebbe schnell fallende Wasser lag ich nun auf dem Trockenen.

Zitternd und bebend vor Kälte und Überanstrengung raffte ich mich auf und wankte am Ufer entlang, und nach einer Stunde fand ich meine Jacke und meine Stiefel wieder. Dann kletterte ich über meinen Bretterzaun und lag zitternd und zähneklappernd auf meinem Strohhaufen.

Noch ein Steckbrief