„Oh, das macht nichts, da machen wir einfach eine Achtzehn draus, und alles ist all right.”
„Nein, es geht wirklich nicht, ich bin übrigens Amerikaner und habe auch keine Erlaubnis von meinem Schiffskapitän.”
Nun holte der lästige Bursche eine Mappe hervor, in der in den leuchtendsten Farben die englischen Uniformen abgebildet waren. Der Kerl ließ einfach nicht locker. Um ihn endlich los zu werden, sagte ich ihm, er möchte mir eins der Heftchen überlassen, ich würde dann abends mit meinem Steuermann reden und am nächsten Tage würde ich ihm mitteilen, welche Uniform mir am besten gefiele.
Daß ich von da ab in großem Bogen um diesen Platz herumging, war wohl selbstverständlich.
Nun hatte ich aber allmählich so viel Sicherheit gewonnen, daß ich trotz meines schmutzigen Päckchens ins Britische Museum ging, mir einzelne der größten Gemäldegalerien ansah, ja sogar die Nachmittagsvorstellungen der Varietés besuchte, ohne jemals nach dem Woher und Wohin gefragt zu sein. In den Varietés waren oft die allerliebsten blonden Garderobefräuleins besonders freundlich zu mir und schienen sogar mit dem armen „sailor”, der sich sicherlich in das feine Varieté verirrt hatte, Mitgefühl zu haben.
Am ulkigsten war es, wenn ich auf einem Verdecksitz der Autobusse Platz nahm und die Damen und Dämchen naserümpfend und entrüstet von mir abrückten und mich nicht selten verachtende Blicke trafen. Wenn die gewußt hätten, wer neben ihnen saß! Daß ich nicht gerade nach Parfüm roch, war bei meiner Nachtarbeit und den nassen schlammbeschmutzten Kleidern kein Wunder.
Am Abend war ich wieder in meinem Gravesend. In dem kleinen Park, der direkt ans Themseufer stieß, spielte Militärmusik und mehrere Stunden saß ich ruhig auf einer Bank direkt am Strand, lauschte den Klängen der Musik und beobachtete wie ein Luchs.
Meinen Plan, zum Dampfer hinüberzuschwimmen, hatte ich endgültig aufgegeben, da ich einsah, daß die Strecke zu weit und die Strömung viel zu reißend war.
Jetzt kam es für mich nur noch darauf an, irgendwo unauffällig ein Ruderboot zu requirieren, um damit zum Dampfer gelangen zu können.
Vor mir lag gerade ein passendes; doch war dieses an einer Schleuse festgemacht, die von einem Posten Tag und Nacht bewacht wurde.