Eine wahre Verzweiflung packte mich dann oft in der Luft.

Wo sollte ich bei dem vielen Neuen, das es da unten gab, bloß anfangen? Wie sollte ich mich aus dem Gewirr von Gräben, Zickzacks und Stellungen herausfinden? Ganz mutlos ließ ich dann die Karte sinken.

Aber das waren nur Sekunden.

Dann raffte ich mich zusammen, nahm meinen Bleistift zur Hand und sah nach unten. Und bald darauf hörte und merkte ich nichts mehr um mich herum und sah nur noch den Feind und meine Aufzeichnungen.

Der siebenundzwanzigste Oktober war für uns ein Jubeltag. Da traf von Seiner Majestät dem Kaiser folgendes Telegramm ein:

„Mit Mir blickt das gesamte deutsche Volk voll Stolz auf die Helden von Tsingtau, die getreu den Worten ihres Gouverneurs ihre Pflicht erfüllen. Seien Sie alle Meines Dankes sich bewußt!”

Da gab es wohl keinen in Tsingtau, dem das Herz nicht höher schlug. Unser Oberster Kriegsherr, der zu Hause so schwer zu arbeiten hatte, vergaß seine getreue kleine Schar hier im fernen Osten nicht.

Da gelobte sich wohl ein jeder in seinem Innersten nochmals, so zu kämpfen und seine Pflicht bis zum letzten zu tun, daß sein Kaiser mit ihm zufrieden sein könnte.

Bald rückte der einunddreißigste Oktober, der Geburtstag des Mikado, heran. Durch Kundschafter hatten wir erfahren, daß die Japaner an diesem Tage Tsingtau bestimmt nehmen wollten. Den Tag zu beschreiben ist unmöglich.

Die Japaner hatten bis zu dieser Nacht ihre sämtlichen Landbatterien fertig gebaut, und in der Frühe um sechs Uhr dieses einunddreißigsten Oktober Neunzehnhundertvierzehn donnerten auf einmal von Land und See sämtliche feindlichen Geschütze und warfen ihren furchtbaren Eisenhagel auf uns herab.