Und nun, Gott befohlen, und kommen Sie gut durch. Und haben Sie Dank für die Arbeit, die Sie für Tsingtau leisteten!”

Und damit gab er mir die Hand.

„Ich melde mich gehorsamst aus der Festung!”

Damit war ich entlassen.

Und nun folgte ein kurzes Abschiednehmen von meinen Vorgesetzten und Kameraden, und ein großer Stoß Privatbriefe wurde mir mitgegeben.

Dann ging ich zum letzten Male in meine Villa und nahm Abschied von meinen Räumen, von vielen liebgewordenen Gegenständen, machte meine Stalltür auf und ließ mein Pferdchen und meine Hühner laufen, und dann ging's runter zu meinem Flugzeug, um es zu seinem letzten Fluge klarzumachen.

Dann saß ich über meine Karte gebeugt, lernte sie fast auswendig und rechnete und rechnete.

Und dann ging ich nachts hinauf zum letztenmal zu der Punkt-Kuppe, wo mein guter Freund, der Oberleutnant zur See Aye, seit Wochen trotz schwersten Artilleriefeuers bei seiner kleinen Batterie ausharrte, und von wo aus man einen herrlichen Ausblick über ganz Tsingtau und das gesamte Vorgelände hatte. Überwältigt von dem Anblick, der sich hier bot, blieb ich lange Zeit wie gebannt auf der höchsten Felsspitze sitzen. Unter mir wogte ein züngelndes Heer greller Blitze, die von den Mündungsfeuern der wütend hämmernden feindlichen Geschütze herrührten; und wie ein goldenes Band zog sich von Meer zu Meer das Gewehr- und Maschinengewehrfeuer, welches unsere Leute dort unten im Tale abgaben. Dicht über meinem Kopfe da war ein Fauchen, Zischen und Sausen von Tausenden der schwersten Geschosse, welche ganz dicht über diese Kuppe hinwegfegen mußten, damit sie ihr Ziel noch erreichen konnten. Hinter mir dröhnten unsere eigenen Haubitzen ihre allerletzten Grüße herüber, und von ganz weither, vom letzten Südzipfel Tsingtaus, grollten die Einundzwanzig-Zentimeter des Forts Hsiauniwa ihren ehernen Schwanengesang.

Zerwühlt im Innersten meiner Seele kehrte ich zu Aye zurück, und nach einem herzlichen kameradschaftlichen Abschiede, bei dem er mir zu meinem kommenden Fluge alles Gute wünschte, drückten wir uns kräftig die Hand und trennten uns.

Ich war der letzte Offizier in Tsingtau, der ihm die Hand geschüttelt hat. Wenige Stunden später fiel er in heldenmütigem Kampfe gegen dreißigfache japanische Übermacht samt seiner kleinen Schar, als sie die Geschütze nicht übergeben wollten.