Die Fischvergiftung des Mr. McGarvin
Am Abend ging's zum Mandarin.
Als ich aus meiner Tür trat, strahlte der ganze Hof von Fackeln und unzähligen großen Lampions. Die Wache war ins Gewehr getreten und präsentierte, die Trommeln wirbelten, und die Musikanten machten ihre wohl nur für Chinesenohren angenehm klingende Musik. Ja, der Mandarin hatte mir sogar seine eigene Sänfte zur Benutzung gesandt.
Ich werde diesen Abend niemals vergessen.
Ich saß in meiner mit blauer Seide und Fenstern mit Vorhängen ausgestatteten Sänfte, die von acht prächtigen Burschen getragen wurde. Vorneweg, an den Seiten und hinter der Sänfte marschierten Soldaten mit aufgepflanztem Gewehr und Dutzende von Läufern mit riesigen Lampions. Sanft wiegte die Sänfte auf und ab bei den kräftigen Schritten der Träger. Alle zehn Minuten gab der vorderste von ihnen ein Signal durch lautes Aufklopfen seines Stabes auf die Erde, die Sänfte hielt, die Träger hoben die Tragstangen auf die andere Schulter, und weiter ging's im Geschwindschritt.
Nach vierzig Minuten waren wir vor dem Palast des Mandarins angelangt. Ohrenbetäubende Musik, Kommandorufe und heller Lampion- und Fackelschein empfingen mich auch hier. Die mittleren Türen der riesenhaften Tore flogen vor mir auf, und vor dem letzten Tor kam mir der Mandarin persönlich zum Empfang entgegen.
Mehrere hohe Würdenträger und einige Generale waren bereits versammelt, und nach zeremonieller Begrüßung gab es den üblichen grünen, dünnen Willkommenstee, bei welcher Gelegenheit ich dem Mandarin zum Zeichen meines Dankes meine Mauser-Pistole nebst Munition als Geschenk überreichte.
Der Mann war sichtlich erfreut, und wohlgemut setzten wir uns zu Tisch. Eine riesige, runde Tafel, bedeckt mit einigen fünfzig Schüsseln, in denen die größten chinesischen Leckerbissen schwammen, empfing uns. Um mich als Gast auszuzeichnen, erhielt ich Messer und Gabel, und dann ging die Arbeit los. Nur sechsunddreißig Gänge habe ich zählen können. Und was gab es da alles! Von den zartesten Schwalbennestern zu den feinsten Haifischflossen, vom Zuckerrohrspitzensalat bis zum delikatesten Hühnerragout war nichts vergessen. Von allem mußte ich kosten. Und der Mandarin war unermüdlich mir aufzulegen. Ja, manchmal, wenn er einen guten Bissen auf seinem Teller hatte, faßte er ihn mit seinen Fingern und legte ihn mir auf meinen Teller. Zu trinken gab es Flaschenbier, welches doch schon seinen Weg in die hiesige Gegend gefunden hatte, dazu Reisschnaps.
Die schwerste Arbeit hatte wieder Herr Morgan, welcher die lebhafte, oft der Komik nicht entbehrende Unterhaltung zu verdolmetschen hatte.
Die Kämpfe um Tsingtau, die Verluste der Japaner und Engländer und die Fliegerei interessierten die Chinesen am meisten. Das Fragen nahm kein Ende.