Tsingtaus feige Übergabe.

Die Festung ohne Schwertstreich genommen.

Die ganze Besatzung betrunken und plündernd.

Und dann kam so viel unflätiger Dreck, so viel gemeine Lüge, daß ich voll Verachtung die Zeitung fortwarf. So etwas wagten die Engländer, die sich so unrühmlich vor Tsingtau benommen hatten, über unsere tapferen Verteidiger zu behaupten?

Ach ich kannte ja die englischen Zeitungen noch nicht! Später habe ich mich in Schanghai und dann in Amerika bei den amerikanischen Zeitungen an ganz was anderes gewöhnen müssen; von England ganz zu schweigen. Nun hatte ich aber wenigstens Gewißheit über Tsingtaus Schicksal, das unvermeidlich kommen mußte. Auch nicht einen Augenblick zu früh hatte ich die Festung verlassen, kurze Zeit darauf mußte sie sich der Übermacht ergeben.

Am Nachmittage dieses elften November Eintausendneunhundertvierzehn trafen wir glücklich in Nanking ein.

Auf dem Bahnhof wurde mir vom Kapitänleutnant Brunner, dem Kommandanten des Torpedobootes S 90, und von seinen Offizieren ein herzlicher Empfang zuteil.

In Wagen fuhren wir zu dem Gebäude, in dem die Offiziere und Mannschaften von S 90 untergebracht waren, und wo zu meinem allergrößten Erstaunen auch für mich schon eine Koje klar gemacht war. Auf mein erstauntes Fragen wurde mir dann von meinen Kameraden mitgeteilt, daß ich ebenfalls interniert werden sollte und alle sich schon gefreut hätten, den vierten Mann zum Skat zu haben. Erstens mal spiele ich keine Karten, was ich auch laut zum Ausdruck brachte; zweitens dachte ich über die Frage der Internierung ganz anders, was ich aber für mich behielt.

So zog ich denn mit meinem General Liu zu dem Palast des Gouverneurs von Nanking. Leider, oder vielmehr zu meinem Glück, war der Herr Gouverneur nicht zu sprechen. Ein alter chinesischer Arzt empfing mich sehr freundlich, wünschte mir ein weiteres Wohlergehen, und daß ich mich in Nanking wohl fühlen möchte.

Ich dankte ihm für das Wohlergehen, hatte aber meine eigene Ansicht über das Wohlfühlen!

Nun verabschiedete ich mich mit meinem General Liu, der sichtlich froh war, seine Mission erfüllt zu haben, und als ich in meinen Wagen stieg, da setzte sich ein chinesischer Soldat in vollem Dienstanzug zu mir.