Auf meine erstaunte Frage, was das zu bedeuten habe, antwortete er mir in leidlichem Deutsch: Er sei mein „Ehrenposten” und wäre mir zu meinem Schutze beigegeben, und er würde mich von nun ab auf allen meinen Wegen begleiten.
Na, der Tobak war doch ein bißchen zu stark!
Das war gegen die Verabredung!
In Hai-Dschou war mir ausdrücklich versichert worden, daß die Fahrt nach Nanking lediglich eine Formsache wäre und ich dann vollständig frei sein würde.
Hier wollte man mich also internieren?
Da mußte ich schnell handeln, bevor mir einer der Chinesen etwas über Internieren sagen konnte und mich meiner Freiheit beraubte. Das unangenehmste war der „Ehren”-Posten, aber Mittel und Wege mußte ich finden.
Am Abend dieses Tages waren wir Offiziere alle bei einem deutschen Bekannten eingeladen. Mein Plan stand fest. Nach einigen gemütlichen Stunden, während deren ich immer wieder von Tsingtaus letzten Tagen erzählen mußte, brachen gegen zehn Uhr abends die Offiziere bis auf meine Wenigkeit auf und gingen, gefolgt von ihren treuen Posten, nach Hause. Eine halbe Stunde später war es auch für mich die höchste Zeit zu verschwinden, wenn ich noch entkommen wollte.
Als mein Gastgeber aus der Haustür heraustrat, wer stand da vor ihm? Mein gelber Wächter!
Nun war Holland in Not! Aber kurz entschlossen schickte ich unseren Boy zu dem Wächter und ließ ihn fragen, was er eigentlich hier wolle, die Herren wären ja längst weg, er solle nur laufen, um sie noch einzuholen, sonst würde er womöglich wegen seiner Unaufmerksamkeit bestraft werden.
Und während dieser arme Kerl mit hängender Zunge den anderen nachlief, fuhr ein verschlossener Wagen vor, in dem ich Platz nahm und mit äußerster Kraft zum Bahnhof fuhr, wo der neueröffnete Expreßzug bereitstand. Das letzte freie Bett konnte ich gerade noch erhaschen. Mein Schlafkupee war bereits verschlossen, und auf mein energisches Klopfen öffnete ein langer Engländer, der wegen der Störung ein wütendes Gesicht schnitt. Ich behandelte ihn natürlich wie Luft, und eins, zwei, drei war ich in der oberen Koje, drehte das Licht aus und tat so, als ob ich mich auszöge. In Wirklichkeit verkroch ich mich recht tief in meine Decken und Kissen, fest entschlossen, wenn jemand etwas von mir wolle, nicht aufzuwachen. Nicht einen Augenblick habe ich während dieser achtstündigen Fahrt geschlafen.