Vier bis fünf Namen hatte ich abwechselnd und logierte abwechselnd bei meinen Bekannten.
Da konnten die Chinesen einmal suchen!
Das Schwierigste war: wie nach Amerika kommen? Alles hatte ich versucht, nichts hatte Erfolg. Nur einmal wäre ich beinahe mit einem englischen Schiff fortgekommen. Das war eine lustige Begebenheit. Einer meiner Freunde kannte den Reedereibesitzer, einen englischen Juden, Mr. Penny, sehr gut. Mit diesem Bekannten zog ich eines Tages zu Herrn Pfennig und versuchte mein Glück. Ich hatte einen einfachen Anzug angezogen, sah ziemlich verwahrlost aus und machte einen ängstlichen, verprügelten Eindruck. Mein Freund ließ uns anmelden, und nach einiger Zeit durften wir vor dem strengen Gesicht des Herrn Pfennig, eines dicken, fetten Frosches, erscheinen. Die beiden Herren schienen sich gut zu kennen, und die Begrüßung war dementsprechend.
Ich blieb ganz bescheiden an der Tür stehen, sah beschämt auf meine zerrissenen Schuhe und drehte mein Hütchen in der Hand und verstand selbstverständlich von der ganzen englisch geführten Unterhaltung kein Wort.
Mein Freund fing an:
„Herr Pfennig, ich komme mit einer großen Bitte zu Ihnen, ich habe hier einen Lausebengel mit mir, dessen Vater ich gut kenne, und der früher ein guter Geschäftsfreund von mir gewesen ist. Dieser Bengel nun, der erst siebzehn Jahre alt ist, kniff seinem Vater wegen einer Mädelgeschichte aus und hat sich als Schiffsjunge herumgetrieben, bis er hier gänzlich mittellos und sein Unrecht einsehend bei mir strandete. Ich möchte nun den Jungen, der übrigens Schweizer ist und kaum ein Wort Englisch versteht, nach Europa zurückschicken und wollte Sie fragen, ob Sie nicht auf einem Ihrer Dampfer einen Platz als Küchenjunge frei hätten. Damit ihm ein für allemal seine Flausen vergehen, wäre ein grober Kapitän ganz angebracht und ebenso entsprechende Arbeit.”
Herr Pfennig würdigte mich während dieser Zeit kaum eines Blickes, nur ab und zu sah er mich verächtlich an, und ich schien unter seinen Blicken sichtlich zu zerknirschen. „Ja”, sagte er, „für so was habe ich gerade was. Heute nachmittag fährt der Dampfer ‚Goliath’ direkt von hier nach San Francisco (jetzt spitzte ich aber die Ohren!), da kann er mit. Eine Tracht Prügel wird es dann und wann auch setzen, die schadet ihm aber nichts. Ich lasse Ihnen nachher gleich telephonisch Bescheid sagen, wann der Dampfer geht. Sechs Wochen Kartoffelschälen werden dem Jungen wohl gut tun.”
Wir waren entlassen.
Draußen kniff ich meinem Freunde so toll in den Arm, daß er vor Schmerzen aufschrie, und als wir endlich auf der Straße waren, da hielt ich es nicht mehr aus. Und heraus platzte ich mit einem Lachen, so herzhaft und froh, daß unwillkürlich die Leute, die an uns vorbeigingen, mitlachen mußten. Daß ich während der durchgemachten Szene ruhig bleiben konnte, war ein Wunder. Am Nachmittag erfuhr ich leider, daß der Dampfer wegen der Flut zwei Stunden früher abgegangen wäre. Nun war's Essig, und die Arbeit begann von vorn. Dampfer gingen ja genug, aber das Üble war dabei, daß sie alle über Japan fuhren und sich dort mehrere Tage aufhielten.
Das durfte ich nur im äußersten Notfalle wagen.