Aber das Glück ließ mich nicht im Stich. An einem Tage traf ich zufällig einen Freund, mit dem ich vor Jahren manch lustige Nacht im fernen Osten durchgebummelt hatte. Der war gleich bei der Hand. Und schon nach einigen Tagen hatte er mir die nötigen Papiere besorgt, und mir genaue Verhaltungsmaßregeln erteilt. Aus einem Mr. Scott, Meyer oder Brown war plötzlich ein steinreicher vornehmer Engländer geworden mit dem schönen Namen McGarvin. Dieser Herr war Vertreter von Singers Nähmaschinen und reiste von Schanghai zu seinen Fabriken nach Kalifornien.

Was war natürlicher, als daß Mr. McGarvin den nächsten großen amerikanischen Postdampfer benutzte!

An Bord dieses Schiffes gab es nur zwei prachtvolle Luxuskabinen. In der einen wohnte ein amerikanischer Milliardär, in der anderen der Oberleutnant zur See Plüschow, o Verzeihung, was sage ich da, ich meine natürlich der Singer-Nähmaschinen-Fabrikant McGarvin. Eine Schwierigkeit war noch zu überwinden: das unbemerkte Entkommen aus Schanghai.

Da halfen mir wieder meine Bekannten aus. Drei Tage bevor der Dampfer ging, nahm ich überall offiziell Abschied und verbreitete, daß ich mich in Schanghai nicht mehr sicher fühlte und nun nach Peking reiste, um bei der Deutschen Gesandtschaft tätig sein zu können. Tatsächlich fuhr ich auch in meinem Wagen um elf Uhr abends zum Bahnhof. Daß der Kutscher allerdings einige Straßen vorher abbog und in scharfem Trab nach Süden fuhr und aus der Stadt heraus, konnte ich nicht wissen.

Woher sollte ich auch Schanghai kennen?

Nach ungefähr zwei Stunden, während deren der Wagen längs des Wusungflusses gefahren war, hielten wir. Zwei mit Revolvern bewaffnete Männer traten an den Wagen heran, eine kurze Parole, ein Händedruck, dann küßte ich voll Ehrerbietung und Dankbarkeit zwei schlanke weiße Frauenhände, die sich mir aus dem Wageninnern entgegenstreckten, und fort sauste das Gefährt. Meine beiden Freunde nahmen mich in ihre Mitte, auch ich zog meinen Revolver, und wortlos stiegen wir in eine bereitliegende Dschunke.

Die Nacht war stockfinster, der Wind heulte, und unheimlich gurgelte das schmutzige dunkle Wasser, welches, von der Ebbe mitgenommen, an uns vorbeischoß.

Mit aller Kraftanspannung wriggten vier dunkle Chinesengestalten an ihren Riemen, und nach etwa einer Stunde hatten wir viele Kilometer stromabwärts unseren Bestimmungsort am jenseitigen Ufer erreicht.

Lautlos legten wir an, lautlos verschwand die Dschunke, und ebenso lautlos schritten wir einem dunklen Gebäude zu, welches inmitten eines kleinen Gartens in der Nähe von riesigen Fabrikgebäuden lag.

Der helle Glanz elektrischer Lampen, der uns entgegenstrahlte, nachdem die Eingangstüren sorgfältig verschlossen waren, blendete grell meine Augen.