Bald sah ich aber, daß ich mich in einer gemütlich eingerichteten Junggesellenwohnung befand. Ein Tisch war gedeckt, und wacker langten wir den köstlichen Speisen zu. Nun wurde der Kriegsplan ausgeheckt.
Die Wohnung gehörte den beiden jungen Leuten, die am Tage in der Fabrik zu tun hatten. Die Bedienung im Hause war selbstverständlich rein chinesisch, und das war gut.
Mein Aufenthalt in diesem Hause mußte unter allen Umständen geheim bleiben, besonders da hier auch noch ein unangenehmer Mann wohnte, der zur „Entente” gehörte.
Die Angst der Chinesen vor bösen Geistern und besonders den Aberglauben vor Verrückten wollten wir ausnutzen. Meine Aufgabe war einfach die: drei volle Tage den wilden Mann zu spielen.
Ich erhielt ein Zimmerchen, in das ich eingeschlossen wurde. Der Boy wurde von seinem Herrn eingehend instruiert und eingeschüchtert, und so konnte ich sicher sein, daß nichts verraten würde.
Donnerwetter! Ich habe nicht gedacht, daß es so schwer ist, einen Verrückten zu simulieren. Drei Tage blieb ich in diesem Zimmer eingesperrt, tobte herum, und nur ab und zu beruhigte ich mich und saß stumpfsinnig in meinem Sessel.
Sobald der Boy, der draußen Wache ging, diese Beruhigung merkte, machte er vorsichtig die Tür auf und schob noch vorsichtiger sein Tablett, auf dem Essen stand, hinein und setzte es auf ein daneben stehendes Tischchen. Und wie der Blitz zog er den Arm wieder zurück, und ich konnte ordentlich fühlen, mit welcher Erleichterung er den Schlüssel im Schloß von außen umdrehte. Wenn ich dann manchmal laut herauslachte, weil ich eben einfach platzte vor Vergnügen, dann glaubte sicher der brave Gelbe, ein neuer Anfall habe mich gepackt.
Am Abend des dritten Tages schlug endlich meine Befreiungsstunde.
Ebenso vorsichtig und geräuschlos wie bei der Ankunft verließen wir wieder das Haus.
An der Landungsstelle lag ein großes Dampfboot, ein kurzer herzlicher Abschied, und stromabwärts ging die Fahrt auf die Wusung-Reede, wo der riesige Dampfer „Mongolia” lag.