Ich hatte Vertrauen zu ihm, und in kurzen Worten schilderte ich ihm meine Lage. Selten habe ich ein paar Augen so erfreut aufleuchten sehen wie die des Arztes, nachdem ich ihm meine Sünden gebeichtet hatte. Ein schallendes Gelächter und ein kräftiger Händedruck sagten mir, daß ich an den richtigen Mann gekommen war. Der Steward klopfte an.

Besorgte Amtsmiene des Arztes, Stöhnen des Patienten.

Vorsichtig huschte der Steward hinein, und mit leiser, eindringlicher Stimme sagte ihm der Arzt: „Du, Boy, dieser Master sehr krank sein, gar nicht stören, vor zehn Tagen Aufstehen unmöglich, das beste Essen, vom Koch sorgfältig ausgewählt, stets ans Bett bringen, wenn Master Wünsche hat, mich sofort holen.”

Bei dieser Rede hatte ich bereits einen Bettzipfel im Mund, und wenn's länger gedauert hätte, würde ich wohl noch die ganze Bettdecke verschlungen haben. Ich war wieder mal im Bilde.

Drei Tage Seefahrt, dann kam der erste der drei gefürchteten japanischen Häfen. Friedlich lief der Dampfer in Nagasaki ein, und sofort stürzte sich eine Flut von Zollbeamten, Polizisten und Kriminalbeamten an Bord. Die Glocke tönte durchs Schiff und der Ruf: Alle Passagiere und alle Mann antreten zur Musterung! Und nun ging die Untersuchung und das Gefrage los. Die Passagiere waren im Salon versammelt. Jeder einzelne wurde namentlich aufgerufen, ganz gleichgültig ob Mann, Frau oder Kind, wurde von einer Kommission aus Polizeioffizieren und Kriminalbeamten vernommen, die Papiere genau revidiert und dann von einem japanischen Arzt genau auf ansteckende Krankheit untersucht. Vor allen Dingen wollten sie genau wissen, wer derjenige wäre, der aus Tsingtau käme! Der fünfunddreißigste Name, der aufgerufen wurde, war McGarvin. Alles sah sich um, keiner hatte diesen natürlich gesehen. Da trat der Arzt heran, machte ein sehr bedenkliches Gesicht und flüsterte seinem japanischen Kollegen unter bedauerndem Achselzucken eine schreckliche Geschichte ins Ohr.

Eine Viertelstunde darauf hörte ich viele Stimmen vor meiner Kammer, es wurde ganz vorsichtig die Tür geöffnet, und herein ging der amerikanische Arzt und schlichen sich zwei japanische Polizeioffiziere und der japanische Arzt. Fest zusammengerollt und leise stöhnend lag der arme Fischvergiftete da, nichts war von ihm zu sehen, als etwas vom Haarschopf.

Der Amerikaner trat ans Bett und berührte vorsichtig meine Schulter, was mir scheinbar fürchterliche Schmerzen verursachte. Sofort trat der Arzt vom Bett zurück und sagte halblaut: „Oh, very ill, very.” Die Japaner, welche sich von Anfang an voller Scheu in der wundervoll eingerichteten Kabine umgesehen hatten, schienen froh zu sein, aus dieser ihnen ungewohnten Umgebung schnell wieder rauskommen zu können. Mehrere tiefe Bücklinge, ein zischendes Geräusch durch die Zähne, welches ihre besondere Ehrerbietung ausdrücken sollte, ein leise gemurmeltes: „Oh, I beg your pardon!” und raus war die ganze gelbe Gefahr.

Ich glaube, während dieser ganzen Szene und besonders vorher hatte ich doch etwas Schüttelfrost, der sich aber schnell wieder legte.

Am Nachmittage riskierte ich doch einen Augenblick aufzustehen, um mir vom Schiff aus Nagasaki, das ich von früher her kannte, anzusehen.