Die Landung in Hai-Dschou (China).
Der Anblick, der sich mir bot, trieb mich schnell wieder in die Koje. Der Hafen war mit unzähligen Dampfern besät, welche unter reichstem Flaggenschmuck zu Anker lagen. Ein außerordentliches Leben herrschte an Bord dieser Schiffe, überall wurden Truppen, Pferde und Geschütze ausgeladen, alle Soldaten waren festlich geschmückt, die Häuser der Stadt verschwanden fast unter Girlanden und Fahnenschmuck, eine unabsehbare, froh bewegte Menge strömte durch die Straßen und nach der Festwiese, wo Parade und Truppenschau abgehalten wurde. Nun wußte ich's. Das waren ja die Sieger von Tsingtau! In ganz Japan wurde heute die Niederwerfung und Bezwingung des ganzen Deutschen Reiches gefeiert. In den japanischen Zeitungen, die in Englisch erschienen, konnte ich an diesem Abend unter anderem lesen, daß es den Engländern, Franzosen und Russen nicht gelungen sei, Deutschland zu besiegen, aber sie, die Japaner, sie hätten es fertiggebracht und wären damit jetzt ohne Zweifel das beste und stärkste Heer der ganzen Welt. Doch genug von diesen Lächerlichkeiten, die Amerikaner und Engländer haben sich ganz ähnliche Sachen geleistet.
Verbrennen des Flugzeuges nach der Landung auf chinesischem Boden
× Der Verfasser
Noch zweimal legte der Dampfer während dieser Tage in japanischen Häfen an. Sowohl in Kobe wie in Yokohama spielte sich in meiner Kammer derselbe Vorgang ab wie in Nagasaki — Mr. McGarvin blieb krank und — — — unbehelligt. Fünf volle Tage blieben wir im ganzen in Japan. Aber endlich, nachdem ich acht ganze Tage im Bett gelegen hatte, ohne daß mir etwas fehlte als eben die Krankheit, verließen wir die gefährlichen Gewässer, und als die japanische Küste hinter uns am Horizont verschwand, da soll es auf dem Dampfer einen jungen Mann gegeben haben, der wie unsinnig vor Freude herumsprang und sein kleines Hütchen, welches ehemals einem fünfjährigen Mädchen im fernen China gehört hatte, in der Richtung nach Japan schwenkte und lachend rief: „Good bye, Japs, good bye, Japs!”
Unter allerlei Unterhaltungen, wie sie eben an Bord eines so großen Dampfers gepflogen werden, zogen die Tage dahin. An Bord waren auch mehrere deutsche Herren, die der Krieg aus ihrer bisherigen Heimat vertrieben, dann einer meiner Kameraden, der bis jetzt in Schanghai zu tun gehabt hatte, und ein Kriegskamerad von mir: der amerikanische Kriegsberichterstatter Mr. Brace, welcher als einziger Ausländer die ganze Belagerung Tsingtaus mitgemacht hatte.
Neptun sorgte für Abwechslung. Kurz vor Honolulu bekamen wir einen starken Taifun auf den Kopf, der zwei Tage andauerte, und bei dem der Dampfer ernstlich in Gefahr schwebte.
Als wir in Honolulu bei strahlendem Sonnenschein ankamen, da traute ich meinen Augen kaum. Da vorne, da wehte ja die deutsche Kriegsflagge! Es war kein Zweifel.
Und als wir festgemacht hatten, lag neben uns winzig wie eine Nußschale der kleine Kreuzer „Geier”, welcher sich, wie wir später erfuhren, von der Südsee aus in mehrmonatiger Reise bis nach hier durchgeschlagen hatte und interniert worden war. Welch ein eigentümliches Zusammentreffen! Liebe Kameraden, von denen ich lange nichts mehr gehört hatte, traf ich hier mitten im Kriege, fern der Heimat nach großen Erlebnissen. Da gab's ein Fragen und Erzählen, das wollte kein Ende nehmen.