Gab es denn keinen, der diesen Leuten die Augen öffnete, wollten diese Menschen die Wahrheit nicht hören und nicht sehen?
Ja, die meisten kannten ja Deutschland überhaupt nicht, wußten kaum, wo Deutschland lag, und doch urteilten sie so. Da konnte man fühlen, welche ungeheure Macht die gemeine englische Lügenpresse besaß, und wie urteilslos und dumm der Amerikaner auf diesen groben Schwindel hineinfiel.
Ich habe gewirkt, was in meinen Kräften stand.
Ich habe geredet und erzählt und zu überzeugen versucht, überall dieselbe Antwort: „Ja, daß Sie persönlich all diese Greueltaten nicht tun würden, das glauben wir Ihnen, aber die anderen Deutschen, die Hunnen und Barbaren, die tun's. Hier steht's ja schwarz auf weiß in den Times! Da muß es ja wahr sein, denn es ist undenkbar, daß ein so großes Blatt die Unwahrheit sagt.” Ein großer Trost war mir die rührende Art, wie ich von meinen Bekannten und deren Freunden aufgenommen wurde, und ich bin ihnen aufrichtig dankbar dafür. An einem Abend war ich besonders wütend. Ich war in der Metropolitan Opera gewesen, es wurde unter anderem ein Akt aus „Hänsel und Gretel” gegeben. Deutsche Musik, deutsche Worte und deutscher Gesang!
Mein Herz tat sich auf und quoll über vor wahnsinnig schmerzender Sehnsucht nach dem geliebten Vaterlande; meine Seele trank in vollen Zügen das deutsche Lied. Hingerissen, berauscht, trat ich auf die Straße und wurde jäh in die Wirklichkeit zurückgerufen.
Auf dem großen Platz vor dem Theater, wie allabendlich, eine riesige Volksmenge. Drüben an einer kahlen Hauswand leuchtete wie an jedem Abend in großen Buchstaben der neueste Kriegsbericht auf, der von einem Kinematographen-Apparat auf die Wand geworfen wurde.
Natürlich: Rußland hatte wieder mal einen großen Sieg errungen, die Engländer hatten die deutsche Kronprinzen-Armee vollkommen vernichtet!
Die Menge johlte vor Freude.
Dann kamen einige Schlachtenbilder. Erst einige englische und französische Kriegsschiffe, dann plötzlich der deutsche Kreuzer „Goeben”.
Die Menge raste, ein Pfeifen, ein Zischen und Pfui-Rufen, welches kein Ende nehmen wollte.