Das waren die neutralen, um Menschenrechte und Gerechtigkeit so besorgten Amerikaner!

Vergebens waren bis jetzt meine Bemühungen gewesen, nach Europa zu gelangen. Ich hatte mir die Sache doch einfacher vorgestellt.

Um ein Haar wäre es mir einmal gelungen.

Ich hatte eine Heuer auf einem norwegischen Segelschiff gefunden und sollte sofort meinen Dienst als Matrose antreten. Da mir aber dringend geraten wurde, diesen Kasten nicht zu benutzen, da mehrere englische Matrosen an Bord wären, ließ ich die Gelegenheit fahren und suchte weiter.

Endlich hatte ich, was ich wollte.

Durch Zufall lernte ich einen Mann kennen, der ein recht bewegtes Leben hinter sich hatte. Er hatte sich jahrelang in der Welt herumgetrieben und lebte nun schon lange in New York. Was er eigentlich tat, habe ich nie recht herausbekommen. Eines konnte er jedenfalls sehr geschickt, und das war: alte Pässe frisch aufgarnieren. So waren wir bald handelseinig. Nach wenigen Stunden hatte ich meinen Reisepaß, meine Photographie war sauber eingeklebt, alle An- und Abmeldungen vorschriftsmäßig vorhanden.

Und so stieg am dreißigsten Januar Neunzehnhundertfünfzehn der Schweizer Schlossergeselle Ernst Suse an Bord des neutralen italienischen Dampfers „Duca degli Abruzzi” und verschwand im Zwischendeck.

Zwei Stunden später passierten wir die Freiheitsstatue. Fünf Seemeilen vor dem Hafen von New York lagen zwei englische Kreuzer und bewachten die Hafeneinfahrt. Ein leuchtendes Beispiel für die Freiheit der Meere! Die Dampferfahrt war fürchterlich.

Trotzdem ich als Seeoffizier und alter Torpedobootsfahrer an manchen Kummer gewöhnt war, so etwas hatte ich mir nicht träumen lassen.

Das Schiff topplastig und mit so wahnsinnigen Schlinger- und Stampfbewegungen, daß ich als Fachmann überzeugt war, der Kahn würde bei mehr aufkommender See kentern. Und die Wanzen! Doch das ist ein Kapitel für sich. Am dritten Tage unserer Fahrt stand ich eines Vormittags an Deck und schaute sehnsüchtig nach der ersten Klasse, von wo zwei allerliebste Gesichtchen über die Reling sahen. Da trat ein Herr zu ihnen heran, und beinah hätte ich laut seinen Namen gerufen!