Gibraltar!
Wie oft war ich an diesem Felsen früher schon vorbeigefahren, wie hatte ich dem grauen Stein froh bewegt zugewinkt, wenn ich, vom Auslande zurückkehrend, durch die Meerenge fuhr, der treuen Heimat entgegen!
Was hatte ich dieses Mal zu erwarten?
Trotzdem das Anlaufen von Gibraltar nicht auf dem Fahrplan vorgesehen war, fuhr der Dampfer ohne irgendwelche Aufforderung zur Untersuchung in den Hafen ein und ankerte dort. So weit also waren die Italiener schon Sklaven der Engländer geworden!
Sobald das Schiff still lag, kamen zwei Kriegsschiffsbarkassen längsseit, denen ein englischer Seeoffizier, einige Polizeibeamte und mehrere bis an die Zähne bewaffnete englische Matrosen entstiegen.
Ein Glockensignal wurde durch das Schiff gegeben und der Befehl: Sämtliche fremden Passagiere, die nicht Italiener und nicht Engländer sind, auf die Kommandobrücke kommen! Die Stewards gingen herum, suchten alle Räume und Kammern ab, und wie eine Hammelherde, umringt von englischen Matrosen und italienischen Stewards, wurden wir auf die Brücke getrieben.
So ganz wohl war mir dabei nicht zumute!
Aber immerhin hatte ich etwas Vertrauen, da ich, wie ich bald feststellte, der einzige war, der mit einem richtigen Paß mit Photographie ausgerüstet war. Zu meinem großen Unbehagen stellte ich fest, daß wir im ganzen fünf Schweizer waren, von denen mir drei immer schon wegen ihres zurückgezogenen stillen Wesens verdächtig vorgekommen waren. Nur einen Schweizer, den hatte ich noch nicht gesehen, der sah aber auch so dreckig und schmierig aus, daß ich vorsichtshalber etwas zur Seite trat, als er sich neben mich stellte.
Nach ungefähr einer Stunde, nachdem die Passagiere erster Klasse recht oberflächlich und sehr höflich untersucht worden waren, kam die Reihe an uns.
Sechs arme Sünder standen wir da. Der erste war ein italienisch-schweizerischer Arbeiter, dem der rechte Arm fehlte, seine Frau, eine typische Italienerin, warf sich unter Heulen dem Engländer zu Füßen. Ihren ganzen Anhang aus dem Zwischendeck hatte sie mit heraufgebracht. Alles heulte, und verächtlich sah der Engländer auf die Leute herab. Nach kurzem Verhör wurde der Mann entlassen und war frei.