Es war zum Wahnsinnigwerden!
Die Gedanken jagten sich, die Ereignisse des Tages zogen im Geiste an mir vorüber, und wenn ich daran dachte, daß ich jetzt auch dort unten auf einem der Dampfer schwimmen könnte, dann hätte ich am liebsten aufbrüllen mögen vor Wut.
Ach ja, heute war der achte Februar, mein Geburtstag, den Tag hatte ich mir allerdings anders vorgestellt!
Wie ein Irrsinniger wälzte ich mich auf meinem Lager herum, und wenn ich nachsann, wie jetzt alles hätte sein können, was ich alles von diesem Tage erhofft hatte und wie ich mir die Zukunft ausgemalt hatte, dann packte mich die wilde Verzweiflung, und vor ohnmächtiger Wut liefen mir die Tränen aus den Augen, ohne daß ich es verhindern konnte.
Sehnsucht, o du furchtbare Sehnsucht!
In dieser Nacht war ich nicht der einzige, dem es so ging.
Aus vier anderen Lagern sahen bleiche Gesichter heraus, weitgeöffnete Augen starrten zur Decke, und manch unterdrücktes Schluchzen biß sich in die Decken hinein. Am nächsten Morgen um vier Uhr wurden wir plötzlich alle geweckt. Die englischen Unteroffiziere gingen die Räume entlang, und es wurde der Befehl gebrüllt, daß alle deutschen Gefangenen sich sofort klar zu machen hätten, in zwanzig Minuten abzumarschieren und mit einem bereits klar liegenden Dampfer nach England zu fahren.
Nach England? Das war doch gar nicht möglich, wir waren doch Schweizer, wir sollten doch heute unseren Konsul sprechen!
An der stoischen, unerschütterlichen Ruhe der Engländer prallten alle unsere Versuche ab. Nun schnell alles zusammengerafft, und genau eine halbe Stunde später marschierten wir sechsundfünfzig Zivilgefangene, umringt von hundert schwer bewaffneten englischen Soldaten, in den leuchtenden Morgen hinein und den Felsen von Gibraltar hinab.
Aber daß unser Stolz nicht gebrochen war, das wollten wir den Engländern beweisen. Und schmetternd und hell, verstärkt durch die Wut, die in uns kochte, jubelte „Die Wacht am Rhein” und „O Deutschland hoch in Ehren” zum Himmel empor.