Unten lag ein riesiger Transportdampfer, bis an den Rand gefüllt mit englischen Truppen. Durch die Menge der Abschiedgebenden und der Abschiednehmenden wurde eine schmale Gasse gebahnt, und im Gänsemarsch liefen wir Spießruten. Doch das muß ich sagen, es gab niemanden, der uns belästigte, nicht einen einzigen, der uns etwas zurief. Stumm wurde uns Platz gemacht, stumm ließ man uns passieren, ja hier und da traf sogar ein Blick des Bedauerns und des Mitleids diesen traurigen Zug.
An Bord war vorne in der ersten Abteilung im Ladedeck notdürftig ein Raum gezimmert worden. Bänke und Tische und Hängematten waren vorhanden, alles wie an Bord eines Truppentransportschiffes.
In dem Raum befanden sich zwei Posten mit aufgepflanztem Seitengewehr, oben am Luk standen ebenfalls zwei Posten, das Luk wurde von außen dicht gemacht und verschlossen, und drinnen saßen wir in der Falle. Die Bullaugen unseres Aufenthaltsraumes waren mit eisernen Blenden fest verschlossen, damit ja keiner von uns heraussehen oder womöglich aus einem geöffneten Bullauge Lichtsignale geben könnte. Nach kurzer Zeit schon ging ein leises Zittern durch das Schiff, die Maschinen setzten sich in Bewegung, und dann fing unser schwimmendes Gefängnis an, sich sanft und leise zu heben und zu senken.
Wir waren in freier See.
Tagelang ging es so weiter. Wir saßen streng bewacht, eingeschlossen in unserem Raum, einmal am Tage wurden wir hinaufgelassen und durften für eine Stunde frische Luft schöpfen. Eine recht primitive Bedürfnisanstalt war auf dem Vordeck aus ein paar Brettern zusammengeschlagen worden, und wer diese benutzen wollte, mußte sich beim Posten melden. Zwei Soldaten mit aufgepflanztem Seitengewehr geleiteten ihn dann und behielten ihn auch die ganze Zeit über im Auge. Mehr als einer gleichzeitig durfte dazu nicht an Deck erscheinen. Das Essen war gut, richtige Schiffskost, besonders gut war das Brot, die Butter und der überaus reichliche, vorzügliche Jam. Die Zeit vertrieben wir uns, so gut es ging, mit Lesen oder Erzählen, und vor allen Dingen wurde die Frage unserer Zukunft und das, was uns in England erwartete, lebhaft erörtert. Die beiden Posten, die ständig unten im Raum standen, freundeten sich bald mit uns an, und wir haben den armen Tommies mit unseren Erzählungen, wie es an der Kampffront in Frankreich aussähe, ganz furchtbare Angst gemacht.
In der Biscaya bekamen wir sehr schlechtes Wetter.
Das war ein Zustand! Zu sechsundfünfzig in dem kleinen Raum eingepfercht, ohne Licht und Luft, und dazu der größte Teil seekrank. Am schlimmsten seekrank waren aber unsere englischen Posten und die Soldaten, die uns das Essen brachten. Sie boten ein Bild des Jammers. Als wir in die Nähe des Englischen Kanals kamen, bemächtigte sich eine allgemeine Nervosität und Unruhe der englischen Schiffsbesatzung. Täglich wurde Musterung mit Schwimmwesten abgehalten. Unsere Erholungsstunden an Deck fielen aus, und die englischen Soldaten hörten mit ihrem ängstlichen Gefrage nach unseren U-Booten überhaupt nicht mehr auf. Was haben wir denen die Hölle heiß gemacht!
Endlich nach zehn Tagen lief der Dampfer in Plymouth ein. Als die Ankerkette rasselte und wir, sicher vor U-Booten, in dem schützenden Hafen lagen, konnten wir durch die Schottür sehen, wie die englischen Soldaten auf die Knie sanken, und hörten, wie sie kirchliche Lob- und Danklieder sangen zum Dank für die Errettung aus deutscher U-Boots-Gefahr.
Gleich nach der Ankunft kam ein Tender längsseit und nahm uns Gefangene mit selbstverständlich der doppelten Anzahl der Bewachung auf und brachte uns an Land.
Auf die Ankunft so vieler Gefangenen schien man nicht vorbereitet zu sein. Die Engländer waren einfach kopflos. Kein Mensch wußte, was mit uns geschehen sollte, kein Mensch, der Rat schaffen konnte.