Donington Hall, Leicestershire, England, wo die gefangenen deutschen Offiziere interniert sind.

Das Beste war, daß unsere Posten, die mit aufgepflanztem Gewehr vor unserer Tür Wache gingen, uns ruhig weggehen ließen und uns sogar baten, wir möchten ihnen einige Flaschen Bier mit heraufbringen. Um neun Uhr abends waren unsere Posten bereits so weit, daß wir mit ihnen zusammen Gewehrgriffe übten, um elf Uhr abends ließ der eine Posten sogar sein Gewehr fallen und kippte selber mit dem ganzen Kohlenkasten, auf dessen Rand er sich gesetzt hatte, um.

Wenn ich damals schon die Erfahrungen besessen hätte, die ich mir nach fünfmonatiger Gefangenschaft angeeignet hatte, ich wäre da schon ausgerückt.

Sowohl in diesem Gefängnis wie auch in allen anderen Lagern, wo wir mit den englischen Tommies zusammenkamen, war deren erste Bitte, nachdem wir uns etwas angefreundet hatten, ihnen einen Zettel zu überlassen mit unserer Adresse und womöglich noch der Adresse von Bekannten in Deutschland und der Bescheinigung, daß der englische Soldat Soundso uns gut behandelt hätte. Diese Zettel wurden von ihnen wie Heiligtümer aufbewahrt, damit sie sie vorzeigen könnten, wenn sie an die Front kämen und in deutsche Gefangenschaft gerieten.

Zum Schlafen erhielten wir winzige Zeltstrohsäcke, die so kurz waren, daß unten die Füße von den Waden ab herausragten, und so schmal, daß nur ein ganz geschickter Zirkuskünstler mit dem Rücken darauf balancieren konnte. Dazu gab's zwei wollene Decken. Wie die Bären haben wir geratzt. Allerdings lagen wir am nächsten Morgen alle neben den Matratzen. Am nächsten Morgen, es war Sonntag, erschien ein hoher Armeeoffizier, um uns zu besichtigen. Er fragte nach unseren Wünschen. Ich berief mich nochmals darauf, daß ich Offizier wäre und als solcher das Recht hätte, zu verlangen, als kriegsgefangener Offizier behandelt zu werden. Der Mann war sehr liebenswürdig, versprach mir alles, wenn wir erst am nächsten Tage an unserem Bestimmungsort angelangt wären, und — — hielt nichts.

Endlich am Montag wurden wir aus unserem Gefängnis befreit. Wie immer dicht umringt von unserer Wachmannschaft, marschierten wir zum Hafen, nahmen auf einem kleinen Dampfer Platz und fuhren auf die Reede hinaus.

Nach einer einstündigen Fahrt legten wir an einem riesigen Dampfer an, der als Gefangenenlager diente. Nach einer längeren Verhandlung mußten wir wieder ablegen, da der Kommandant des Dampfers erklärte, er wüßte von uns nichts und hätte außerdem keinen Platz. Bei dem nächsten Dampfer, es war der Cunard-Liner „Andania”, dasselbe Schauspiel. Ob nun der englische Offizier, der uns führte, ein englischer Major, besser schimpfen konnte als der Lagerkommandant, oder woran es lag, jedenfalls gingen wir nach einer halben Stunde an Bord.

Ein dicker aufgeblasener englischer Armeeleutnant, der die Stellung des Lagerkommandanten und gleichzeitig Dolmetschers auf diesem Schiff bekleidete, nahm uns in Empfang.

Als ich an der Reihe war, gemustert zu werden, brachte ich in höflichem Tone mein Anliegen vor und verlangte energisch, daß ich den Bestimmungen gemäß in ein Offizierslager gebracht würde. Die Antwort dieses Gentleman war unerhört und zeigte seinen gemeinen Charakter recht deutlich.