Maxstedt behauptete, mit diesem flying man nichts mehr zu tun haben zu wollen, und schon am nächsten Tage lag ein Dampfer längsseit und führte mich mit noch einigen Leidensgenossen von der „Andania” und seinem gemeinen Gefängniswärter fort.

Wie wohl war mir da zumute! Mit der Eisenbahn ging es wieder stundenlang westwärts. Ich natürlich wieder in einem Kupee allein, diesmal außer den drei Unteroffizieren auch noch von einem Offizier bewacht.

Abends langten wir in Dorchester an.

Hier wehte eine andere Luft, das merkte man gleich. Ein englischer Kapitän namens Mitchell vom Gefangenenlager trat auf mich zu und fragte mich höflich, ob ich Offizier sei.

„Ja!”

„Dann wundert es mich aber sehr, daß Sie in ein Mannschaftslager gebracht werden. Bitte verzeihen Sie, daß ich Ihnen keinen Offizier zu Ihrer Begleitung stelle, ich gebe Ihnen aber meinen ältesten Feldwebel, wollen Sie dann bitte allein hinter den anderen Gefangenen hergehen.”

Ich war sprachlos.

Als wir durch das entzückende, saubere Städtchen hindurchmarschierten, da erscholl plötzlich hinter uns frisch und hell und klar und mit Begeisterung geschmettert „Die Wacht am Rhein”, dann schönste Soldatenlieder und „O Deutschland hoch in Ehren”. Wir wähnten zu träumen, und als wir uns verwundert umsahen, marschierte hinter uns ein Trupp von zirka fünfzig strammen deutschen Soldaten, die von dem Lager zum Bahnhof kommandiert waren, um unser Gepäck abzuholen.

O wie schwoll einem das Herz! Mitten in Feindesland, trotz Wunden und Gefangenschaft diese helle Begeisterung, dieser schmetternde Gesang! Das muß ich den Engländern lassen, sie waren außerordentlich tolerant, und die Bevölkerung hat sich stets mustergültig betragen. Stumm stand sie dicht gedrängt zu beiden Seiten der Straße, aus allen Fenstern schauten blonde Köpfchen hervor, nirgends eine verächtliche Bewegung, nirgends ein Schimpfwort. Ja zum Teil schien man den alten deutschen Melodien wie einem Wunder zu lauschen.

Im Lager erhielten wir Zivilgefangene zu je dreißig eine kleine Holzbaracke angewiesen, die unseren Schlaf-, Wohn- und Eßraum bildete. Ein winziger Zeltstrohsack, der direkt auf dem Fußboden lag, und zwei wollene Decken bildeten unseren Schlafplatz. Mein Kapitän bat mich, mit dem zur Verfügung Stehenden vorliebzunehmen, da er leider für mich aus Platzmangel kein Extrazimmer frei hätte.