Im Auto ging's jetzt zum Offizierslager Holyport. Die Posten präsentierten, das Drahthindernis wurde geöffnet, und schon war ich von einer freudigen Schar von Kameraden umringt.

Ja, wer hätte das gedacht.

Sie, die ich fast vor dreiviertel Jahren in Tsingtau zum letzten Male gesehen hatte, die Sieger von Coronel, die wenigen überlebenden Tapferen von den Falklandinseln traf ich hier wieder. Die Freude kann man sich kaum vorstellen. Das Fragen und Erzählen! Kein Ende wollte es nehmen. Und dann geschah für mich ein Wunder. Ich wurde in ein Zimmer geführt, und da standen wahrhaftig sechs bis acht Betten, richtige schöne Betten, weiß und sauber bezogen. Fast acht Wochen war ich gefangen, nun das erste Bett, das ich zu Gesicht bekam. Kann man da verstehen, mit welcher Scheu und Andacht ich mich an diesem Abend hineinlegte?

In der ersten Zeit kam ich mir wie im Paradiese vor. Besonders da ich hier endlich wieder als Mensch behandelt wurde. Ich war wieder unter meinen Kameraden, fand liebe Freunde und viel geistige Anregung.

Die Behandlung im Lager war gut. Der englische Kommandant ein verständiger Mann, bemüht, uns das Leben zu erleichtern.

Das Gebäude selbst war ein altes Kadettenhaus, im ganzen waren hundert kriegsgefangene Offiziere im Lager, und wir waren auf Stuben bis zu acht oder zehn Offizieren untergebracht.

Diese Stuben waren gleichzeitig unser Schlaf- und Aufenthaltsraum. Außerdem gab es noch eine große Reihe von Messe-, Lese- und Speiseräumen, in denen wir uns, wenn wir nicht an der frischen Luft waren, meist aufhielten. Das Essen war echt englisch, also dadurch den meisten Deutschen wenig zusagend, aber gut und reichlich. Es wurde eher dadurch verbessert, daß wir am Anfang eigene Meßführung hatten, welche später leider vom englischen War office aufgehoben wurde.

Den ganzen Tag über waren wir ziemlich ungestört. Wir konnten uns im Gebäude und in einem mäßig großen Garten, der das Haus umgab, frei bewegen; morgens um zehn Uhr Musterung und abends um zehn Licht aus und Ronde.

Dem Stacheldrahthindernis, welches das Ganze umgab und Tag und Nacht streng bewacht und beleuchtet war, durften wir uns selbstverständlich nicht nähern, geschweige denn dieses Gehege verlassen. Nur vor- und nachmittags wurde das Hindernis für uns geöffnet, und wir konnten durch ein Spalier von englischen Soldaten zu einem zweihundert Meter entfernt liegenden Sportplatz gehen. Für unseren Sport war mustergültig gesorgt. Zwei prachtvolle Fußball- und vor allen Dingen Hockeyplätze standen uns zu unserem ausschließlichen Gebrauch zur Verfügung, und wir haben da gespielt, daß selbst den Engländern die Augen übergingen. Daß auch dieser Platz selbstverständlich mit Stacheldraht und Posten umgeben war, brauche ich wohl nicht zu erwähnen.

Sehr angenehm war es, daß wöchentlich zweimal ein sehr guter Schneider und ein Wäschelieferant mit vorzüglicher Wäsche in das Lager kam und es uns dadurch ermöglicht wurde, uns wieder anständig anzuziehen.