Wir hatten mehrere riesig große, bis ins kleinste genaue Karten der Kriegsschauplätze angefertigt, und jeden Morgen um elf Uhr waren unsere „Generalstäbler” bei der Arbeit und steckten die Fähnchen um. Und oft stand selbst der englische Oberst davor und schüttelte bedenklich den Kopf.


Die Flucht

Mit der Zeit wurde die Gefangenschaft unerträglich. Keine Briefe von Hause, nicht die vielen herrlichen Pakete, die mir von lieber Hand gesandt wurden, halfen mir; auch nicht die treuen Kameraden, nicht das Hockeyspiel, dem ich mich mit einem derartigen Eifer hingab, daß ich abends wie tot vor Müdigkeit hinsank.

Nichts half, alles war vergebens.

Endlich hatte auch mich, wie so unendlich viele vor mir, schon die Gefangenenkrankheit gepackt.

Die Krankheit der furchtbarsten Verzweiflung, der vollständigsten Hoffnungslosigkeit.

Trostlos!

Stundenlang lag ich wie viele andere im Grase und starrte mit weit geöffneten Augen den blauen Himmel an, und meine ganze Seele sehnte sich empor zu den weißen Wölkchen dort oben und wanderte mit ihnen nach der fernen, lieben Heimat. Und wenn gar ein englischer Flieger ruhig und sicher am blauen Firmament vorbeiflog, dann krampfte sich das Herz zusammen, und wilde verzweifelte Sehnsucht schüttelte mich. Der Zustand wurde immer schlimmer, ich wurde gereizt und nervös und unfreundlich gegen meine Kameraden und kam seelisch und körperlich herunter. Und dabei konnte ich doch eigentlich noch zufrieden sein, ich hatte wenigstens was mitmachen können und viel erlebt! Aber so viele andere waren schon in den ersten Gefechtstagen verwundet in Feindeshand gefallen, und die unglücklichsten waren die, welche bei Beginn des Krieges aus Amerika gekommen waren, dort ihr Hab und Gut, ihr alles hatten stehen und liegen lassen, um ihrem Vaterland zu dienen, um dann durch den Verrat der Engländer, bevor sie überhaupt die Heimat gesehen hatten, gefangengenommen zu werden.