Sie zuckte zusammen, und ihr Gesichtsausdruck war beinahe verbittert, als sie antwortete:
„Warum mußt Du mir alles verderben?“
„Pflege ich das wirklich zu thun?“
Sie wurde gleich wieder gut.
„Nein, aber ich war so glücklich, gerade jetzt.“
Ich schwieg und zog sie bloß enger an mich. Vor ihrem Glauben vergaß ich meine Zweifel, und in meiner Phantasie nahm unsere unbedeutende Reise ganz wunderliche Formen an, so wie wenn kleine nahegelegene Inseln sich zum Horizonte erheben und in phantastischem Glanze schimmern.
9.
So saßen wir endlich eines Sonntags Morgens auf dem Verdeck des Dampfschiffs und eilten dem bekannten Ziele zu.
Es waren viele Jahre vergangen, in denen wir diesen Weg nicht genommen hatten, Jahre, die Gutes und Böses gebracht, Jahre, die zersplittert, und Jahre, die vereint hatten. Getrennte Wege hatten unsere Gedanken genommen, aber sie waren sich wieder begegnet, und wie in einem wunderlichen mystischen Gefühl vereint, das das Schicksal herauszufordern schien, saßen wir Seite an Seite, während Gegend um Gegend an uns vorbeiglitt, von der klaren Lenzsonne beleuchtet, vom blauglitzernden Wasser bespült, das ein leichter Wind kräuselte.
Meine Widerspenstigkeit war nun gänzlich verflogen. Ich ließ mich willenlos von meiner Frau führen und nahm jeden Eindruck mit einer Rührung auf, als wäre ich zwölf Jahre jünger und säße auf dem Verdeck, neuen, unbekannten Zielen entgegenziehend, die mein Alltagsleben verändern und dem ganzen Dasein neue Ausblicke geben sollten. Meine Frau schien mir verjüngt, so wie ich selbst. Ihr Gesicht färbte eine zarte Röte, und die Augen leuchteten mit jenem Glanze, den das Glück verleiht. Ihre Stimme hatte Intonationen unbestimmbarer Zärtlichkeit, die mich mit der ganzen Stärke der Illusion liebkosten, die uns Beide erfüllte, und zwischen uns kamen und gingen Worte und Lächeln, Blicke und Gebärden, die nur der ersten Zeit der Liebe eigen zu sein pflegen.