Ich versuchte es mit dem gewöhnlichen Mittel, wodurch ein Mann weiblichen Schmerz zu beruhigen pflegt. Ich versuchte es mit Liebkosungen. Aber Elsa entzog sich meiner Hand, weil sie sah, daß in meiner Freundlichkeit ein Trost lag, den sie verschmähte, anstatt der Sympathie, die sie suchte. Ihr Gesicht nahm einen verschlossenen, unzugänglichen Ausdruck an, als setzte sie ihre ganze Persönlichkeit für die Phantasie ein, die sie beherrschte und in der sie sich von Niemandem stören lassen wollte.
Sie blickte um sich auf den zerklüfteten Plan, und während sich ihr Auge in Mitgefühl feuchtete, sagte sie:
Wieder ging ihre eigene Enttäuschung in ein Mitgefühl mit dem Unglück anderer Menschen über, für das dieser verödete Fleck Erde Zeugnis ablegte. Wieder setzten wir uns nieder und ließen unsere Blicke um den kleinen Hügel am Waldessaume schweifen, der uns die sorglose Ruhe eines ganzen Sommers in Erinnerung rief. Wir begannen zu sprechen. Und wir versuchten uns die Szenen auszumalen, die dieser Zerstörung vorausgegangen waren. Der Bauer, dem das Land gehörte, kam zu dem jungen Paar, das den Hof geerbt hatte. Er teilte ihnen kurz und bündig mit, daß die Zeit abgelaufen sei. Die fünfzig Jahre waren um, und nun sollten die Häuser niedergerissen werden. Er wollte sein Land wiederhaben. Es war klar, daß er keinen Vorteil dabei hatte. Es würde vielleicht günstiger für ihn gewesen sein, das Stück Erde noch einmal zu verkaufen. Aber er hatte gesehen, wie die Anderen im Sommer Mietsgäste gehabt hatten. Das Einkommen dieser Miete hatte seinen Neid erregt, und mit der Stärke einer fixen Idee schlug in seinem Hirn der Gedanke Wurzel, daß hier Niemand wohnen sollte. Der Boden sollte ihm gehören und niemand Anderem.
Und so mußten die Jungen, die hier gewohnt hatten, ihre Baulichkeiten niederreißen, sie auf eine andere Insel bringen und dort aufbauen, wo der Reiche sich bewegen ließ, dem Armen Platz zu gönnen. Aber als die letzte Bootsladung bereit stand, von der Brücke abzustoßen, da hatte den Mann Raserei erfaßt. Und nun seinerseits sein Recht ausübend, griff er zur Axt. Er hieb die Bäume nieder, die auf seines Vaters Grund standen, er entwurzelte die Beerensträuche, das Zaunthor riß er aus seinen Angeln und warf es zu oberst auf die Fähre. Und bevor er vom Lande abstieß, wälzte er Steine vom Stege ins Meer, so den Landungsplatz zerstörend, und fuhr von dannen, zufrieden mit der Rache, die seinen Feind nicht das Geringste gewinnen ließ.
Davon sprachen wir, aber die ganze Zeit über lag unsere eigene Enttäuschung auf der Lauer hinter unseren Worten, und Elsa erzitterte.
„Sind wir es, die das Unglück mit uns führen?“ sagte sie.
Ich lächelte. Die Worte meiner Frau kamen mir leer und überspannt vor.
„Fahren wir zu der dritten Insel. Dort, wissen wir ja, steht alles so, wie es gestanden hat,“ sagte ich.
Aber Elsa schüttelte nur den Kopf, und indem sie sich plötzlich erhob, sagte sie: