„Jetzt müssen wir aber die Rute holen, Sven. Denn so viel ich weiß, hat Dir Mama das versprochen.“

Da wußte sich Sven keinen Rat, und in der Not nahm er seine Zuflucht zu den Blumen, die er Mama entgegenhielt.

Aber das hätte er garnicht thun müssen. Denn Mama war so erschrocken gewesen, und sie war so glücklich, ihn wieder zu haben, daß sie ihn nur in die Arme nahm und, halb weinend, halb lachend, sich von ihm streicheln ließ; und endlich nahm sie ihm die Blumen ab und gab sie in ein kleines grünes Glas, ordnete sie und ließ Sven sehen, wie schön sie in der Sonne glänzten. Da gab Papa alle Gedanken an eine Bestrafung auf, ging in sein Zimmer und fühlte sich überflüssig.

Aber als Mama mit Sven allein blieb, nahm sie ihn auf den Schoß und erzählte ihm, als wäre es ein Märchen, wie unruhig sie sich gefühlt und wie schrecklich ihr zu Mute gewesen war. Sie erzählte, daß sie geglaubt, daß Sven sich das Bein gebrochen habe und einsam im Walde läge, und daß sie ihn nicht früher wiederfinden würden, als bis er tot wäre. Oder daß er ins Wasser gefallen sei und daß sie ihn dort als Leiche finden würden, und dann konnten weder Mama noch Papa noch die Geschwister jemals wieder froh werden. All das hörte Sven an und verstand nur, daß Mama besser gegen ihn war als alle anderen Menschen. Dann ließ sie Sven alles erzählen, was er gesehen und gethan, wie er sich vergnügt hatte und wie weit er fort gewesen war. Sie erfuhr von dem kleinen Mäuschen, von den Vögeln und von dem Sumpf und von den Steinwürfen. Und schließlich verstanden sie einander, alle Beide, und waren nur glücklich darüber, daß sie sich wiedergefunden hatten.

Und als sie sich so recht ausgesprochen hatten, nahm Mama Sven mit sich zur Etagère. Da standen viele prächtige Sachen, mit denen Sven manchmal spielen durfte, wenn alles sehr gut ging. Unter anderem stand da ein weißer Pudel aus Porzellan, der eine Quaste am Schwanz hatte und einen kleinen Pantoffel in der Schnauze trug. Er war sehr alt und gehörte eigentlich nicht Mama. Denn Papa hatte ihn von seiner Mutter bekommen, und er hatte ihr gehört, seit sie zwei Jahre alt war, da hatte eine Pathin ihn ihr geschenkt.

Das war das Schönste, was Sven kannte, und den nahm Mama in der Glückseligkeit ihres Herzens von der Etagère herab und gab ihn ihm, anstatt der Rute. Aber er blieb da stehen, wo er stand.

„Denn sonst,“ wie Sven sagte, „kann ich ihn zerschlagen. Und dann wird Papa so böse.“

Aber er vergaß nie, daß er ihm gehörte. Und er pflegte zuweilen davon zu sprechen, wenn Besuch kam.

„Den habe ich von Mama bekommen,“ sagte Sven, „als ich in den Wald lief und wiederkam. Das war, weil Mama sich so freute, als sie mich sah.“

Und Mama verteidigte ihre Erziehungsmethode gegen jede Kritik, indem sie den Knaben in die Höhe hob und Alle ihn ansehen ließ. Gott segne sie! Sie hatte Recht.