„Sitzest Du schon lange hier?“ fragte ich überrascht.

„Ja,“ antwortete der Knabe einsilbig.

Er hatte da gesessen und an seine Mutter gedacht und daran, wie ernst alles mit einem Schlage geworden war. Zum ersten Male fiel es mir auf, wie groß er war, und ich ergriff seine Hand wie die eines Gleichalterigen. Es zuckte in dem Gesicht des Zehnjährigen, aber er konnte nichts sagen.

Als wir dann in der Droschke saßen, war er wieder Herr über sich selbst, und er stieg noch auf das Trittbrett neben meine Frau, streichelte ihre Wange und sagte beschützend wie zu einem Kinde:

„Habe keine Angst, Mama, es wird schon gut gehen.“

Svante kam auch heran, und der kleine Sven wurde aufgehoben und plauderte und plapperte. In diesem Augenblick wußte Elsa nicht, wen von Allen sie am Meisten liebte. Aber auf dem Wege kamen wir in unserem Gespräche unaufhörlich auf unseren großen Jungen zurück, der zum ersten Male wie ein Mann gesprochen und gefühlt hatte.

4.

Der Todesengel ging dieses Mal an unserem Heim vorbei, aber seine Schwingen hatten uns so dicht gestreift, daß das, was jetzt geschehen war, lange unserem ganzen Leben sein Gepräge gab, ja eigentlich nie aufhörte, es zu thun. Doch — noch einmal kehrte das Glück in unser Heim zurück, aber gedämpft und ernster. Noch einmal kehrte sie zurück, die unserem Alltagsleben heiliges Licht gab. Unsere Knaben hießen uns willkommen, als wir wiederkamen, und der kleine Sven kletterte zu Mama hinauf, schmiegte sich an sie und sah so innig glücklich und schelmisch aus.

„Siehst Du, daß Du nicht vom Fratzi hast wegsterben dürfen,“ sagte er.

Er sah so triumphierend aus, als glaubte er, daß der glückliche Ausgang ihm zu verdanken sei, und hauptsächlich um uns Alle aufzumuntern, sagte ich: