Sie nahm ihn in ihre Arme, flüsterte mit ihm, plauderte, überredete und bat und flehte für die lieben Locken. Aber Sven ließ sich nicht überzeugen. Er bat so schön und sah so rührend aus, daß er schließlich seinen Willen durchsetzte.
Er kam in seinem kleinen roten Hut herein, die weiße Bluse flatterte um die kleinen Beinchen.
„Ich fahre in die Stadt und lasse mich scheren,“ schrie er.
Er war voll Eifer und Entzücken, und als er im Zuge saß, plauderte er in einem fort und wendete sich an einen fremden alten Herrn, den er nie im Leben gesehen hatte, daß er zur Stadt fahre, um sich sein langes Haar abschneiden zu lassen.
Der alte Herr sah von seiner Zeitung auf, warf dem Knaben einen zerstreuten, gleichgiltigen Blick zu und fuhr fort zu lesen.
Sven glaubte, daß er nicht gehört hatte, und wiederholte der Deutlichkeit wegen:
„Ich lasse mir mein Haar schneiden, damit ich nicht wie ein Mädchen aussehe.“
Aber der alte Herr verschanzte sich hinter seine Zeitung und murmelte etwas, das Mama veranlaßte, ihr kleines Herzblatt zum Schweigen zu bringen.
Dann blieb Sven den ganzen Weg stumm und saß ganz stille da, als grübelte er über irgend etwas nach. Er sah so unglücklich aus, daß Mama ihn auf den Schoß nahm und ihn streichelte und bitterböse auf den alten Herrn wurde, der nicht begriff, daß der Kleine dasaß und sich grämte, daß nicht alle fremden Herren sich darum kümmern, daß ein kleiner Junge froh ist.
Sven schwieg, als er auf die Straße kam. Aber dann flüsterte er, als hätte er Angst, daß Jemand sie hören könnte.