„Das war bestimmt kein netter Herr.“
„Ja, aber siehst Du, Sven, Du hast ihn doch nicht gekannt,“ sagte Mama.
„Deswegen hätte er doch nett sein können,“ sagte Sven.
„Aber kleine Jungen sollen nicht zu fremden Leuten sprechen,“ wendete Mama ein.
„Ich glaubte, er würde sich freuen, wenn er hörte, daß ich nicht mehr wie ein Mädchen aussehen muß.“
Armes Kindchen! dachte Mama, und wieder ergrimmte sie in ihrem Herzen, wenn sie an alle verdrießlichen Menschen dachte, die die Freude der Kleinen zerstören. Armes Kindchen! Wie wird es Dir einstmals in der Welt gehen?
Und um Sven richtig zu trösten und seine Freude wieder wachzurufen, sagte sie.
„Das war ein abscheulicher, schlimmer alter Herr. Ganz schlimm war er.“
Da wurde Sven wieder eitel Sonnenschein, und sein Schmerz war verflogen, weil er glauben durfte, daß nur abscheuliche Menschen so etwas thun. Sein Haar wurde geschnitten, und er durfte in eine Konditorei gehen. Da bekam er Backwerk und war überglücklich, weil er glaubte, daß alle Menschen wußten, daß er zum ersten Male geschoren war wie ein Junge. Dann fuhr er wieder mit Mama nach Hause, und als er in den Hof kam, ließ er Mamas Hand los und lief, so rasch seine Beine ihn tragen wollten, hinein zu Papa.
Da blieb er beim Schreibtisch stehen, nahm den Hut ab und vergaß, daß man Papa nicht stören durfte, wenn er arbeitete. Er stand stille mit dem Hut in der Hand, und sein ganzer Körper arbeitete vor Aufregung zu hören, was Papa sagen würde. Ja, seine Augen wuchsen, so daß es aussah, als wäre der Junge nichts als Augen.