Sie wies hinunter auf den Strand. Da saß Sven allein und sah ungemein glücklich und froh aus. Er hielt eine Schnur in der Hand, und an der Schnur war ein Stück Holz befestigt, das wie ein Boot aussah. Das zog er auf den Strand, belud es mit Steinchen und schob es wieder hinaus.
Und um besser zu hören, gingen wir sachte näher, ohne daß der Knabe uns sah.
Er saß ganz stille, ließ das Holzstück auf den Wellen auf- und niedergleiten, und mit schwacher, glockenreiner Stimme sang er für sich selbst. Es war ein Seemannslied, das er von den Kindern auf der Insel gelernt hatte.
Sing fallerala, sing fallerala la,
Und tief im Meere sein Grab er sah.
Da erblickte er uns, verstummte und erklärte, daß er nicht singen wolle, wenn Papa zuhörte.
10.
Ich merke, daß ich in diesem Buch fast nur von unseren Sommern erzähle. Das kommt ganz einfach daher, daß wir im Sommer am stärksten das Gefühl hatten, zu leben. Im Winter wohnten wir ja entweder in der Hauptstadt oder so nahe derselben, daß wir zu jeder Zeit hinkommen konnten. Da ging es uns wie den meisten Anderen. Das Hauptstadtleben ergriff uns, schleuderte uns in seinen Wirbel und bemaß die Zeit sehr karg, in der wir alle mit einander leben und uns Eins fühlen konnten. Dahin waren meine und meiner Frau lange vertrauliche Gespräche zu Zweien, dahin das muntere Zusammenleben mit den Kindern. Nicht einmal das Weihnachtsfest, ja das am allerwenigsten, war frei von dem Gefühl überanstrengenden Hastens, das Müdigkeit, Ueberdruß und Mißstimmung zurückläßt. Darum erwarteten wir den Sommer beinahe wie eine Befreiung von etwas Bösem, und wenn wir die Hauptstadt verließen, war es immer, als zögen wir unserer eigenen Erneuerung und der unseres Zusammenlebens entgegen.
Von unserem letzten Sommer will ich jetzt erzählen, dem letzten, in dem wir wirklich das Gefühl hatten, zu leben, dem Sommer, der so ganz anders wurde, als wir gehofft und gedacht hatten.