Lächelnd ging ich zurück und sah den Knaben in einem Paroxysmus der Zärtlichkeit an dem Halse seiner Mutter hängen. Ich rief sie an, aber das kleine Brüderchen ließ nicht locker. Er klammerte sich an Mama an, und schon aus der Ferne rief er mit einem Gemisch von Verdrießlichkeit über mein Mißtrauen und Triumph darüber, daß er Recht behalten hatte:

„Siehst Du, daß sie gekommen ist! Siehst Du, daß ich es wußte!“

„Du bist wohl drinnen gewesen und hast geguckt,“ sagte ich.

Nichts kann die Verachtung aller rationalistischen Auslegungen dessen, was er fühlte und wußte, beschreiben, mit der Sven antwortete:

— „Nein, das habe ich gewiß nicht. Hab ich es, Mama?“

Und Mama tröstete ihn damit, daß er gewiß nicht geguckt habe. Aber zu mir sagte sie:

„Du kannst nicht glauben, wie oft das schon geschehen ist. Es ist, als fühlte er mich in der Luft, bevor ich komme. Kinder können ja so etwas nicht erfinden.“

13.

Sven war jedoch überhaupt in diesem Sommer nicht derselbe. Ohne irgend einen äußeren Anlaß konnte er plötzlich erklären, daß er müde sei, und dann wollte er nur im Grase liegen mit dem Kopf in Mamas Schoß. Oder er kam auch zu Papa und bat ihn, ihn zu tragen. Dann nahm Papa ihn auf die Schultern und trug ihn hinaus in Wald und Feld, und nie ist sein Blick dankbarer gewesen oder sein kleines, weiches Händchen zärtlicher.

Dann klagte er über Kopfschmerzen und bekam Antipyrin, und dann wollte er des Morgens nicht aufstehen und sagte, er sei so müde. Aber da der Kleine im übrigen ganz gesund schien, hob Papa ihn aus dem Bette und erklärte, er solle sich ankleiden und zusehen, daß er hinaus in die frische Luft komme. Da stand Sven auf und versuchte, so lange Papa drinnen war, so gut er konnte, die mühsame Arbeit, die Strümpfe anzuziehen. Aber sowie Papa zu der Thür hinaus war, schlich er zu Mamas Bett und bat, zu ihr hineinkriechen zu dürfen.