Natürlich konnte Mama einer solchen Bitte nicht widerstehen. Und nie war Sven glücklicher. Da lag er mit dem Kopfe in Mamas Arm, schloß wieder die Augen und war still und ruhig, bis die Kräfte anfingen, zurückzukehren. Dann stand er wieder auf, aber bevor er es that, sah er Mama mit seinen merkwürdigen Augen an:
„Erzähle es Papa nicht!“
„Ja, aber warum denn?“ sagte Mama.
„Ja, weißt Du, sonst wird Papa sehr böse.“
All das erschien Mama so wunderlich, daß sie Sven alles Mögliche versprochen hätte; und folglich versprach sie auch dies. Und Sven ging hinaus und war ruhig und zufrieden, weil Mama seinen Ungehorsam nicht verriet und weil er und Mama zusammenhielten.
Aber wenn Mama fortreisen sollte oder nur ohne ihn ausgehen, da war er verzweifelt. Sein Schmerz kannte keine Grenzen, und sein Weinen war so herzzerreißend, daß man nichts Anderes thun konnte, als ihm mit allen Trostgründen zusprechen, die Einem zu Gebote standen. Ja, der Anblick seines leidenschaftlichen Schmerzes war so qualvoll, daß man ihn lange nicht vergessen konnte, und eines Vormittags sprachen wir davon. Ich hatte gerade meine Frau überredet, mich auf einem Ausflug in die Stadt zu begleiten, um dort mit ein paar Freunden zu Mittag zu essen und, wie man sagt, ein bißchen herauszukommen. Und ich hatte das gethan, gerade weil ich fand, daß sie sich von Sven ausruhen sollte.
Es gelang uns schließlich auch, den Eindruck zu vergessen, den uns die Thränen des Kleinen gemacht hatten, und wir brachten einen angenehmen Tag zu, wie immer in der Stadt, wenn wir wußten, daß wir nicht dort zu bleiben brauchten. Die Stimmung war gerade auf dem Höhepunkt, als meine Frau mich im Flüstertone fragte, ob es mir sehr unangenehm wäre, wenn sie mit einem früheren Boot wegführe. Es war recht selten, daß wir einen Ausflug machten, um uns zu unterhalten, und der Vorschlag war nicht gerade nach meinem Geschmack. Ich stellte daher Elsa vor, daß wir gesagt hatten, wir würden erst mit dem letzten Boote kommen, und daß uns daher Niemand erwartete. Mit einem Worte — ich erhob alle die Einwände, die mir einfielen. Und zuletzt versuchte ich es mit einem Hauptargument:
„Sven hat sich ja schon niedergelegt, wenn Du kommst.“
„Das ist es nicht,“ war die Antwort. „Ich möchte nur gerne nach Hause.“
Sie sah mich bittend an, und natürlich war die Folge die, daß sie wegfuhr.