Der Schlag, der mich so heftig und unvorbereitet traf, lähmte mich, und die fieberhafte Thätigkeit, die ich entwickelte, erschien mir selbst ganz automatisch. Ich bestellte einen Wagen, und im selben Augenblick, in dem das geschehen war, dachte ich, daß ich essen sollte. „Sven ist gestorben,“ dachte ich. „Er lebt nicht mehr, wenn ich nach Hause komme. Wenn ich komme, darf ich nicht hungrig und müde sein. Ich muß wachen können und meine Frau trösten.“ All das ging durch mein Hirn, während ich dasaß und auf die Mietsdroschke wartete. Ich sah mich selbst wie eine andere Person, sah, daß ich Fleisch auf meinen Teller legte, es zerschnitt und zu essen versuchte. Die ganze Zeit dachte ich bloß an Eines: an den Wagen, der nicht kam. Gott im Himmel! Der Wagen kam nicht, und daheim lag mein Junge und starb, und ich konnte nicht zu ihm kommen.

Ich bezahlte und ging in die Vorhalle des Hotels, wo ich auf- und abging, es war mir ganz unmöglich, still zu sitzen, unmöglich, einen zusammenhängenden Gedanken zu denken.

„Mein Kind liegt im Sterben,“ sagte ich zum Portier. „Darum bin ich so nervös.“

Ich versuchte, ihm zuzulächeln, damit er begriffe, wie sehr ich selbst einsah, daß mein Betragen sinnlos war. Aber ich fühlte selbst, daß das Lächeln zu einer Grimasse wurde, und ich wartete auch nicht seine Antwort ab. Ich fuhr nur fort, mit der Uhr in der Hand auf- und abzugehen, als wollte ich der Zeit vorauseilen, und als der Wagen endlich kam, war ich gewiß, daß alles vorüber sei. Ich begriff nicht, warum ich dasaß oder warum ich hinaus in den strömenden Regen fahren sollte, aber automatisch wie früher sagte ich zum Kutscher:

„Fahren Sie, so rasch nur ein Pferd laufen kann, mein kleiner Junge liegt im Sterben. Sie sollen es nicht umsonst thun.“

Der Kutscher hatte uns schon oft gefahren.

„Ist das der kleine, liebe Junge, der so schön ist?“ fragte er.

Diese einfachen Worte riefen mich wieder zur Wirklichkeit zurück, und durch meine Brust wogte eine warme Welle der Dankbarkeit gegen den jungen Menschen, der mich kutschierte.

„Ja,“ sagte ich mit erstickter Stimme. „Ja, er ist es.“

Und ich setzte mich in den Wagen, mit dem Gefühl, daß ich einen Menschen getroffen habe, der begriff, um was es sich handelte und der mir helfen würde. Während wir über die Gassen eilten, sprach ich still mit mir selbst und weinte vor Freude und Schmerz: „Er ist so schön und gut, daß selbst ein Mann, der ihn nur in einen Wagen hat steigen sehen, sich seiner erinnert und es mir sagt. Und er soll sterben? Es giebt ja Millionen Kinder, die leben dürfen. Warum muß gerade meines sterben?“