Ich beugte mich über ihre Schulter und sah, daß sie in der Bibel gelesen hatte. Das Buch lag beim ersten Buch Mosis aufgeschlagen, und auf meine Frage, was sie gelesen, wies sie bloß auf ein paar Zeilen, die ich noch zu unterst auf einer Seite lesen zu können vermeine. — Und ich las die Worte:

Verflucht sei die Erde um deinetwillen ... Mit Schmerzen sollst du deine Kinder gebären.

„Ist das nicht gräßlich?“ sagte sie. „Ich erinnere mich nicht, ob ich mit Schmerzen geboren habe. Ich habe nie daran gedacht.“

Sie erhob sich und ging zu einem kleinen Bettchen, das quer hinter unseren eigenen Betten stand, und sie beugte sich hinab über ein rundes, blühendes, schlafendes Kindergesicht, dessen Lippen sich saugend regten, als läge der Knabe an der Mutterbrust.

„Habe ich Dich in Schmerzen geboren?“ sagte sie wie zu sich selbst. „Nein, in Glück habe ich Dich geboren, in Glück und Jubel, ein Glück, so namenlos groß, daß ich es nie gewußt habe, bis jetzt.“

Sie zog mich hinab aufs Sopha und lehnte ihren Kopf an meine Schulter, schmiegte sich in meine Arme, als wollte sie dort Schutz vor allem Ungemach und Schmerz der Welt finden. Ohne ihre Stellung zu ändern, streckte sie die Hand aus und schlug das Buch zu.

„Das ist ein dummes Buch,“ sagte sie. „Ich habe mich nie darauf verstanden.“

„Das ist es wohl nicht,“ sagte ich lächelnd.

„Das hast Du selbst gesagt,“ sagte sie und richtete sich zur Hälfte auf.

„Ich? Nie!“