„Kannst Du das für mich thun? Willst Du das?“
Diese Worte regten mich zu Handlung und Leben an, und in allem Zweifel, aller Unruhe und allem, was ich früher geschildert und erzählt habe, allem, was mich zu Boden drückte, glänzten mir diese Worte wie Sterne durch die Dunkelheit entgegen und feuerten mich zu der letzten großen Anstrengung an, die, wie ich hoffte, uns allen die Freude in unserem Heim wiederschenken sollte. Je mehr ich daran dachte, desto wahrscheinlicher kam es mir vor, daß ich hier das „Sesam öffne dich“ gefunden hatte, das meiner Frau den Weg bahnen sollte, wieder dem Leben anzugehören. Wie ein Mann, der glaubt, einen Talisman gefunden zu haben, der ihm die Macht giebt, Wunder zu wirken, setzte ich meine ganze Zuversicht auf diesen Plan, und als wir endlich in die kleine Villa gezogen waren, die hoch oben mit der Aussicht über Fjords und Wälder lag und wo die Blätter der Espen vor dem Fenster zitterten, an dem meine Frau sitzen und mich sehen würde, so oft ich von meiner Arbeit heim käme, da fühlte ich mit Gewißheit, daß nun die Lösung gefunden sei. So wunderlich mir dies auch jetzt erscheinen mag, ich war ganz von der Gewißheit durchdrungen. Ich glaubte, und ich war unaussprechlich glücklich in meinem Glauben.
Nie habe ich mich auch hoffnungsfreudiger gefühlt, wie als diesen Winter der Schnee zu fallen begann und wir dieses eigentümlich heimliche Gefühl empfanden, von allen und allem abgeschlossen zu sein, das dem nordischen Himmelsstrich eigen ist. Vom Dachboden bis hinab zum Keller stand unser neues Heim fertig, und wie früher, das Ganze ordnend und die Zimmer mit all den kleinen Erfindungen und Gegenständen schmückend, die hervorzuzaubern das Geheimnis des Weibes ist, ging meine Frau wieder zwischen uns umher. Die lauten Stimmen der Knaben hallten in den Zimmern wieder, ohne daß Jemand sie zu dämpfen brauchte. Die Kanarienvögel sangen und trillerten, ohne daß Jemand das nächtliche grüne Tuch über ihr Bauer hing. Der Pudel bellte zu dem Spielen und Balgen der Knaben. Und das Klavier war nicht mehr verschlossen.
Das kam eines Abends, als ich es am wenigsten ahnte. Ohne mit einem Worte ihre Absicht zu verraten, kam Elsa hinab in das Wohnzimmer und setzte sich an das Klavier. Sie sah mich an, als sie an mir vorbeiging, und ich begriff, wie glücklich sie war, daß sie ihrem eigenen Wunsche folgen konnte. Seit Sven gestorben war und sie nicht mehr seine klare Stimme zu den Tönen des Klaviers hören konnte, hatte meine Frau nie die Lieder singen wollen, denen so oft nur er allein gelauscht hatte. Kaum meinen eigenen Sinnen glaubend, sah ich sie am Klavier sitzen, hörte sie einen Ton anschlagen, und gleich darauf klangen die Töne durch das Gemach.
Mein weißer Schwan,
Du stummer, stiller,
Nicht Schlag, nicht Triller
Zeigt Stimme an.
Und der Schluß:
Mit schmerzlicher Ode