Und sie fuhr fort, indem sie sich enger an mich schmiegte.
„Aber das ist auch das Aergste, was ich sagen und denken konnte. Denn ich weiß ja, daß Niemand außer Dir mich verstanden hat. Niemand von all den Menschen, mit denen ich sprach, als ich mich so einsam und elend fühlte und meinte, daß alles in mir zusammenbrechen müßte.“
Sie schaudert, als sie das sagt, und führt die Hand an die Stirne.
„Das ist jetzt vorüber,“ sagt sie. „Und alles ist so ruhig und klar. Aber jetzt mußt Du noch etwas wissen.“
Sie setzte sich auf und betrachtete mich mit einem Blick, so hell und tief, als wollte sie mich auf dem Grunde ihrer Seele lesen lassen.
„Du mußt wissen, was das Allerschlimmste war,“ sagte sie. „Als ich umherging und daran dachte, daß ich sterben und Sven folgen würde, und als ich an das so dachte, daß ich meinte, Du glittest von mir fort, und alles glitte fort, und die Erde war öde und leer — da hatte ich solche Angst, ach, so furchtbare Angst. Denn ich glaubte, ich würde gezwungen sein, es selbst zu thun. Das war das Allerärgste. Aber jetzt weiß ich, daß ich es nie zu thun brauche. Das hat Gott mir gelobt.“
„Meinst Du, daß Du doch bald von mir gehen wirst?“ sagte ich.
Ich schauderte bei meinen eigenen Worten, und ich fühlte, daß mir die Stimme nahe daran war, zu versagen.
„Das weiß ich nicht,“ sagte sie, indem sie wieder den Kopf an meinen Arm lehnte. „Ich weiß nur, daß ich es nie selbst thun muß.“
Sie schwieg, und ich fand keine Worte, um ihr zu erwidern. Ich sah sie an. Sie war wieder ganz so wie in unseren glücklichsten Jahren. Sie erschien mir gleichsam zarter und jünger, und die Ruhe, die ihre frühere fieberische Rastlosigkeit abgelöst hatte, gab jeder ihrer Bewegungen eine vertrauensvolle Zärtlichkeit, die mir im selben Atemzuge Glück und Schmerz schenkte.