Sie saß im Sofa mit ihrem Strickzeug, und ihr ein bißchen dickliches, freundliches Gesicht lachte ihm liebevoll entgegen, als er eintrat.

„Ist Schluß für heute?“ fragte sie.

„Ja“, antwortete er und ließ sich in den einen Lehnstuhl niedersinken. „Jetzt ist Schluß.“

Als er eine Weile so gesessen hatte, nahm er vom Tisch Ibsens „Brand“.

„Wollen wir weitermachen?“ fragte er.

Die alte Dame nickte; Ernst Hallin wandte das Buch nach dem Lampenlicht und begann zu lesen.

Mit milder, wohllautender Stimme las er das gewaltige Gedicht von einem Menschen, der nicht leben kann in der Stadt. Er träumte sich selber hinein in diesen Konflikt, der unlösbar ist, er kämpfte in der Phantasie den Kampf der gewaltigen Gedanken; und er glaubte, das Urteil eines christlichen Asketen über die elenden Menschenkinder zu lesen.

Als er einen Akt gelesen hatte, legte er das Buch nieder; es ward still in dem kleinen Zimmer.

„Das ist Christentum!“ sagte er endlich.

Das alte Fräulein nickte; und sie redeten lange davon, was Ibsen mit Brand gemeint hätte.