Dann gingen sie ins Eßzimmer und tranken Tee. Ganz von selber kam das Gespräch wieder ins gewöhnliche Geleise. Sie redeten von dem bevorstehenden Examen, dem nahen Scheiden, von Gammelby und von Ernsts Elternhaus.

Zweites Kapitel

G

Gammelby liegt auf einer weiten Fläche; auch da, wo die Fläche jäh zum Berghang aufbiegt, geht noch die Stadt mit, und auf dem Gipfel des Hügels liegen schöne neue Häuser zwischen Gärten. Unten, am Fuß des Hügels, dehnt sie sich weit und breit verästet aus, als wäre sie zu beiden Seiten um die Große Straße ausgequollen, die vom Burghof, wo die Statthalterei liegt, sich hinüber erstreckt bis zum Tor, bei dem eine alte Brücke über den Fluß führt.

Die Stadt ist voll von kleinen Gassen und Quergassen, winkligen, wunderlichen, phantastischen Gäßchen mit langen, verwitterten Zäunen, über die dürre Apfelbäume ihre nackten Zweige strecken. Schmal sind die Gassen da; dicht unter den Fenstern sind die Rinnsteine; im Sommer, wenn es warm ist, steht da verdorbenes Wasser und stinkt, und der Geruch dringt in die niederen Häuser, die in langen Reihen, ein Stadtviertel neben dem andern, zu beiden Seiten der Großen Straße stehen.

Hier kehrt das Unglück ein in den Heimstätten der Armen; die Kinder sterben an ansteckenden Krankheiten. Und die klugen Leute sagen, dies sei das einzige und wahre Hilfsmittel der Natur gegen die Volksvermehrung.

Aber wenn der Winter kommt, liegt der Schnee dick zwischen den Häusern. Wo der Schneepflug gefahren ist, drängen dichte Wälle sich hoch gegen die Fensterrahmen, und mitten auf der Gasse läuft ein schmaler Pfad, grau getrampelt von groben Schuhen. Aus den großen Schornsteinen der kleinen Häuser steigt der Rauch; und schlecht steht’s um die, die kein Holz in ihren Herd zu schieben haben.

Hier wohnt die Bevölkerung, von der die ganze Stadt lebt. Hier wohnen die Fabrikarbeiter, die Zimmerleute, die Flößer und die Arbeiter auf den großen Holzplätzen. Hier sind die großen Höfe, auf denen Familien, vom Großvater her, seit mehr als hundert Jahren wohnen. Die Männer haben die großen Holzflöße den gewaltigen Strom hinab geleitet oder haben in der dumpfen Luft der Fabriken geschafft. Und die Weiber haben neue Arbeiter geboren, die die Alten, wenn sie gingen, ersetzen sollten. Neue Arbeiter sind herzugezogen aus anderen Gegenden des Landes, seit die Eisenbahn geht, immer lebhafter ist der Verkehr geworden, immer mehr Fabriken sind erstanden.

Und es ist, als nähme der reinliche, reiche Teil der Stadt seine Schmuckheit und seinen Wohlstand von diesem schmutzigen Stadtteil.