Er schüttelte den Kopf; aber der gequälte Ausdruck wich nicht aus seinem Gesicht.

„Ach, was Sie kindisch sind!“ sagte er. „Macht es Ihnen so viel Spaß, mich zu quälen? Sie sind doch auch vorher mit mir zufrieden gewesen, so wie ich war. Kann das nicht auch jetzt so sein?“

Er schwieg einen Augenblick und sah nachdenklich vor sich hin. „Oder vielleicht sind Sie gar nicht mit mir zufrieden gewesen?“ fragte er dann.

Ihre Neugier oder vielleicht eher ihr Verlangen, sein Geheimnis zu ergründen, erwachte aufs neue. Gleichzeitig empfand sie etwas, das sie rührte und ängstigte. Wie eine Mutter hätte sie ihn mögen in die Arme nehmen, ihn beruhigen, ihm über die Stirn streichen, die feucht von Schweiß war.

„Es bedrückt Sie etwas“, sagte sie mit ganz anderer Stimme. „Können Sie es mir nicht sagen?“

Er fuhr auf und wurde totenblaß. Seine Hände ballten sich, seine Brust keuchte.

„Nein!“ schrie er fast überlaut. „Nein, ich kann nicht. Nicht jetzt. Nicht jetzt.“

Sie verstummte und blickte weg. In diesem Augenblick durchflog sie die Ahnung, daß sie aus eigenem Antrieb einen Kummer auf sich lud, der ihr junges Leben vielleicht zu Boden ziehen würde. Aber es war Genuß in dem Gefühl, ein Genuß, dem sie nicht widerstehen konnte. Und eine Lockung.

„Warum?“ sagte sie und blickte ihm grade in die Augen. „Warum?“

Er erfaßte ihre Hände und erwiderte leise und langsam: „Doch, ich möchte gern mit Ihnen reden. Aber ich kann nicht.“ Dann ließ er sie los und ging ein paarmal im Zimmer auf und ab. „Sie wollen also wissen, warum ich nicht mit Ihnen darüber sprechen möchte?“ sagte er schließlich. Er blieb ein paar Schritte von ihr stehen und sprach, ohne sie dabei anzusehen: