„Möchte er seinen Erfolg doch in der rechten Weise aufnehmen!“ sagte sie.

Aber ihre Stimmung war gestört; und als sie sich von Professors verabschiedet hatte und am Arm ihres Mannes den kurzen Weg nach Hause ging, dachte sie mehr an die Schwägerin als an den Sohn. Und sie warf sich selber vor, daß sie sich von den kleinen Widerwärtigkeiten des Lebens beeinflussen ließ.

Als Ernst Hallin in die Sakristei trat, hatte er zuerst nur ein Gefühl der Scham. Er konnte gar nichts anderes denken, als daß alle Menschen ihn durchschaut haben müßten, gesehen, was für ein Zweifler er war. Und dennoch hatte er nicht gezittert. Klar und deutlich hatte er alles ausgesprochen — all das, was ihm und seinem Leben das Urteil sprach.

Ganz in Gedanken trat er vor den Spiegel. Er betrachtete sein Gesicht, und etwas wie Mitleid mit sich selbst überkam ihn. Ein forschender Blick kam in seine Augen, als suche er nach irgendeinem Zug, der seine geheimen Gedanken verraten könnte. Da öffnete sich die Tür und der Bischof trat über die Schwelle. Hoch und gebieterisch, den Rock bis an den Hals zugeknöpft, das Käppchen auf dem kahlen Scheitel, stand er da und betrachtete den jungen Geistlichen. Etwas Drohendes lag in seiner Erscheinung, fand Ernst. Und die Kehle ward ihm ganz trocken vor Schreck.

Jetzt kommt das Urteil! dachte er. Und gleichzeitig empfand er eine Art dumpfer Ruhe. Es war ihm alles im Grunde so gleichgültig. Mochte denn kommen, was kommen wollte.

Er sah auf und begegnete dem Blick des Bischofs.

Der war aber ganz klar und ruhig, und Ernst glaubte sogar Zufriedenheit darin zu lesen.

„Ich wollte Ihnen Glück wünschen!“ sagte der Bischof. Und er streckte seine Hand aus und schüttelte die des jungen Geistlichen.

„Solche junge Kräfte können wir brauchen — wir brauchen sie, um den Kampf gegen all das Schlimme zu führen, das sich in unserer Zeit regt.“

Es dauerte eine Weile, ehe Ernst Hallin sich von seiner Überraschung erholte. Aber nach und nach begriff er doch, daß er sich über die Absichten des Bischofs getäuscht hatte. Er begriff, daß er einen Erfolg gehabt hatte, daß dieser Tag für ihn ein Tag des Triumphes war, und daß der, der ihm das jetzt sagte, der Oberste im ganzen Stift war.