„Ich habe immer eine schwache Brust gehabt“, sagte Ernst.

Beide Herren erhoben sich. Der Bischof lächelte freundlich und klopfte dem jungen Mann väterlich auf die Schulter.

„Wir müssen irgendeinen ruhigen Platz auf dem Land für Sie ausfindig machen. Das wird Ihnen körperlich gut tun — und auch seelisch“, fügte er hinzu.

Ernst versuchte einen Dank hervorzustottern; aber die Worte wollten ihm nicht über die Lippen. Der Bischof schüttelte ihm ruhig die Hand und ging.

Als Ernst allein war, zog er hastig den Überzieher an und eilte hinaus, um heim zu kommen, ehe die Leute aus der Kirche strömten.

In seinem Zimmer setzte er sich ans Fenster und blickte auf den Domplatz hinab. Die Glocken fingen an zu läuten, Menschen gingen in Scharen, lebhaft plaudernd, unter den hohen Bäumen hin, und auf den schmelzenden Schnee schien warm die Sonne.

Lange blickte er auf die Aussicht, die er so wohl kannte. Wie oft hatte er diese selben Menschen in ganz derselben Weise so daherkommen und auf der Straße um die Ecke verschwinden sehen. Jetzt sprachen die alle von ihm. Er zog sich vom Fenster zurück, hinter die Gardine, damit niemand ihn sehen sollte. Aber er fuhr fort, hinauszuschauen, als wolle er gierig nachzählen, wie viele von seinen Bekannten da wären.

Da sah er Vater und Mutter, die vom Onkel und seiner Frau Abschied nahmen und dann unter dem Fenster, wo er stand, vorübergingen. Sie blickten suchend herauf. Und Ernst trat hastig ins Zimmer zurück. Er hielt den Atem an und lauschte.

Jetzt traten sie unten ins Haus. Es war ganz still; er wußte, daß sie ihn suchten.