Als die erste Erregung sich etwas gelegt hatte, fragte die Mutter: „Nun, und was hat der Bischof gesagt?“

„Der Bischof war sehr zufrieden“, erwiderte Ernst.

Und der Adjunkt seufzte erleichtert auf.

Fünfzehntes Kapitel

P

Professor Hallin hatte nach der Entdeckung im Vorzimmer einen harten Kampf mit seiner natürlichen Gutmütigkeit zu bestehen, ehe er sich dazu entschloß, unter diesen Verhältnissen dem ihm verhaßten Schwiegersohn denn doch den Abschied zu geben.

Einerseits schämte er sich gewissermaßen bei dem Gedanken, daß er zu seiner Frau von dieser Entdeckung sprechen sollte. Denn er war sich wohl bewußt, daß er keineswegs derjenige war, der das Recht hatte, den ersten Stein zu werfen; und wäre sein Schwiegersohn ein Kerl gewesen, den er hätte leiden mögen, ein frischer, tüchtiger, strammer Kerl, und die Professorin hätte etwa die fatale Entdeckung gemacht und sie zu einem Bruch ausnützen wollen, so würde der Professor zweifellos geantwortet haben: „Lieber Schatz, warum soll man das Mädel damit beunruhigen? Nimm dir den Jungen unter vier Augen vor und lies ihm ordentlich die Leviten, wenn du willst. Aber mach’ um Gottes willen keinen Skandal. Die ganze Sache ist nichts weiter als eine Bagatelle, über die man nur lachen kann. Du bist doch selber lang genug verheiratet, und müßtest dich auf die Männer verstehen!“ Außerdem fürchtete der Professor auch ganz im Ernst das Gerede, das die Geschichte in Gammelby herausfordern würde.

Aber andrerseits dachte der Professor doch, wenn er seine Tochter auf irgendeine Art davor bewahren könnte, ihr Leben lang an diesen widerwärtigen Menschen gekettet zu sein, an den sie ihr junges, vielleicht nicht ganz unschuldiges Herz gehängt hatte, so wäre es wohl der Mühe wert, daß man darum einen kleinen Skandal aushielte. Und schließlich — er wollte gern sein Gewissen mit ein bißchen Jesuitenmoral beschweren, wenn er nur diesen verwünschten Leutnant zukünftig nicht mehr zu sehen brauchte.