Er machte einen Versuch, den Arm um sie zu legen, aber sie entglitt ihm und faltete nervös die Hände.
„Was ist es, Abel?“ fragte sie. „Quäl mich nicht länger. Du jagst mir einen solchen Schreck ein, daß ich ganz verrückt werde. Sag’ mir doch um Gottes willen, was es ist.“
Der Professor heftete die Augen auf die gegenüberliegende Wand und sah ungeheuer ernsthaft aus.
„Es betrifft unsere Kinder, Aurora“, sagte er.
„So denk, daß ich die Mutter bin! Herrgott im Himmel, was du herzlos bist!“
„Tja“, sagte der Professor und ging mit einem Ruck grade auf die Sache los. „Eine angenehme Geschichte ist es nicht, weiß Gott. Aber Gabrielle muß mit dem Leutnant brechen. Wenigstens seh’ ich keinen andern Ausweg.“
„Sie muß mit dem Leutnant brechen?“
Die Professorin fuhr im Sofa herum und sah ihren Mann an, als wolle sie ergründen, ob er im Ernst spräche. Da sein Gesichtsausdruck keinerlei Zweifel hierüber zuließ, griff sie zu dem Mittel, daß sie immer anwandte, wenn sie nichts zu sagen wußte. Sie fing an zu weinen und stammelte unter Tränen und Schluchzen abgerissene Worte und Sätze hervor, die so gefühlvoll und herzbeweglich klangen, daß sie selber immer gerührt ward über ihre Weichheit, die nicht für diese harte Welt geschaffen war. Aber auf den Professor hatte das leider keine Wirkung. Er hatte im Lauf der Jahre erfahren, daß diese stürmischen Ausbrüche keineswegs so ganz ohne Berechnung erfolgten.
„Wein’ doch nicht, Aurora,“ sagte er gereizt, „sondern hör’ auf das, was ich sage.“
„Du weißt doch, ich bin kein Held, Abel. Ich ertrage nicht viel... Und was soll dann aus Gabrielle werden?... Mein Kind... unser Kind... Sie überlebt es nicht... und ihre arme Mutter wird ihr bald genug folgen...“