Das Schluchzen ward übermächtig, und die Professorin weinte so bitterlich, daß sie keinen Ton mehr herauszubringen vermochte.

Der Professor ging ruhig im Zimmer auf und ab. Er wußte, wenn sie sich müde geweint hatte, würde sie von selbst still werden, und unbewegt wartete er auf die Gelegenheit zu sprechen, die ja bald kommen mußte.

Als das Getue im Sofa ein bißchen nachließ, sagte er darum kaltblütig:

„Ich habe ihn am Donnerstag nach der Gesellschaft dabei überrascht, wie er das Zimmermädchen küßte.“

Die Professorin setzte sich im Sofa auf. Der Tränensturm war mit einem Male gänzlich verrauscht.

„Du bist doch sonst nicht so streng in solchen Dingen, Abel“, sagte sie giftig.

„Aha, nun kommt’s!“ dachte der Professor.

Laut sagte er: „Ich kann doch nicht glauben, daß du dein Kind einem Mann überlassen möchtest, der es schon vor der Hochzeit hintergeht.“

„Nein, natürlich, dir wäre es sympathischer, wenn er bis nach der Hochzeit wartete. Aber hab’ ich es nicht immer gesagt? Hab’ ich’s nicht immer gesagt?“