„Was hast du gesagt?“

Der Professor hielt in seiner Promenade inne, ganz verblüfft.

„Ich glaube wohl, daß du dich jetzt nicht mehr darauf besinnst. Du kümmerst dich ja überhaupt nicht um das, was ich sage. Das weiß ich wohl. Aber hab’ ich es nicht immer gesagt, — die Sophie ist eine gemeine Person, auf die man sich nicht verlassen kann? Hab’ ich’s nicht gesagt?“

„Doch, Schatz“, sagte der Professor sanftmütig. „Das hast du freilich. Aber was hat das damit zu schaffen?“

„Was das damit zu schaffen hat? Ich versteh’ dich nicht, Abel! Was es damit zu schaffen hat? Wär sie nicht im Haus gewesen, so wär diese ganze greuliche Geschichte gar nicht passiert. Das weiß ich. Begreifst du das denn nicht?“

Die Professorin war puterrot im Gesicht, und ihre Miene bewies deutlich, daß sie diese Logik als ganz unbestreitbar ansah. Und da der Professor von alters her wußte, daß es keinen Zweck hatte, seine Frau davon überzeugen zu wollen, daß sie unrecht habe, so begnügte er sich damit, zu erwidern: „Tja, aber liebe Aurora, es ist nun einmal geschehen. Und darum frage ich dich um deine Ansicht als Mutter, was wir in der Sache am besten tun!“

Bei diesem Appell an ihr Mutterherz sank die Professorin wieder auf das Sofa zurück und rang verzweifelt die Hände.

„Kann ich das sagen? Wie soll ich das wissen? Ich sitze da und denke an das liebe Gotteswort, das wir heut vormittag in der Kirche gehört haben, und denke an meine kleinen Lämmer, die ich geboren habe; ich dachte, Gott würde gut zu ihnen sein. Das ist schrecklich, was du da sagst, Abel. Eine Mutter kann ihrem Kind nicht den Dolch ins Herz stoßen. Das bedenk doch, Abel!“

„Nein,“ sagte der Professor, „das verlange ich auch gar nicht. Aber sie kann verhindern, daß ihre Tochter sich mit verbundenen Augen ihrem Verderben in die Arme wirft.“