Die Professorin war eine Weile ganz still. Dann schüttelte sie den Kopf und begann wieder, sich hin und her zu wiegen.
„Axel? und dabei sieht er so gut aus! Wer hätte das von ihm geglaubt!“
Jetzt kam die Reihe, den Überlegenen zu spielen, an den Professor.
„Ich“, sagte er. „Ich hab’ es geglaubt! Wer hat ihn ins Haus gezogen und die ganze Geschichte eingefädelt?“
Das hätte der Professor nicht sagen sollen.
Seine Frau krampfte sogleich wieder die Hände zusammen und verdrehte die Augen. So erregt war sie, daß sie nicht sitzen bleiben konnte, sondern aufstand und auf ihren Mann zuging. „Ich, meinst du wohl?“ sagte sie. „Kannst du ehrlich sagen, ich sei’s gewesen? Abel! Gott ist mein Zeuge — nie hab’ ich was anderes gewollt, als meiner Kinder Wohl! Soll ich auch daran schuld sein? Du willst wahrscheinlich auch behaupten, ich sei dran schuld, daß er Sophie geküßt hat!“
Bei den letzten Worten hatte die Stimme der Professorin einen etwas profaneren Klang. Aber jetzt verlor der Professor die Geduld.
„Herrgott!“ sagte er. „Kann man denn kein vernünftiges Wort mit dir reden? Verstehst du nicht, daß das eine ernste Sache ist?“
Die Professorin ließ die Arme sinken und sah ihn mit der Miene eines Opferlammes an.
„Was willst du denn, das ich tun soll?“ fragte sie. „Du weißt doch, ich gehorche dir in allem, soweit ich’s vor Gott und meinem Gewissen verantworten kann.“