„Also“, sagte der Professor, „dann geh hinein zu Gabrielle und sprich mit ihr. Ich weiß, es ist eine kitzliche Geschichte. Und darum kann auch nur eine Mutter sie in die Hand nehmen!“ schloß er voller List.
Dies letzte Argument bewegte die Professorin.
„Ich werd’s schon tun, Abel“, sagte sie. „Aber —“ und sie ballte erbost die Hände — „diese Sophie! Morgen muß sie mir aus dem Haus!“
„Meinethalben“, sagte der Professor. „Nur daß der Skandal nicht ärger wird, als notwendig ist!“
Darauf ging er auf sein Zimmer und holte sich eine Extrazigarre aus dem Wandschrank, die er sich zur Belohnung für den Sturm des Nachmittages leistete. Er freute sich, daß die Sache so abgelaufen war. Er konnte nur gar nicht begreifen, daß seine Frau ihm nicht noch mehr mit alten, längst verjährten Geschichten gekommen war! Gewiß hatte sie es in der Hitze des Gefechtes vergessen. Und er zündete sich umständlich seine Zigarre an.
Als sich abends die Familie zum Essen versammelte, erschien Fräulein Gabrielle nicht; und am folgenden Tag ward dem Professor der unangenehme Auftrag zuteil, den Leutnant brieflich zu benachrichtigen, daß man sich in Zukunft seine Besuche in der Familie verbäte. Er schrieb an Gabrielle. Aber der Brief wurde ihm uneröffnet zurückgeschickt.
Sophie hatte schon am Sonntag abend ihren rückständigen Lohn erhalten und zum nächsten Morgen war ihr gekündigt worden.
Das Drama in der Familie des Professor Hallin war ausgespielt. Aber das Gerücht machte doch die Runde in der Stadt, und trotz aller Vorsichtsmaßregeln ließ sich die Sache nicht totschweigen. Die Erbitterung gegen den armen Leutnant war so groß, daß er auf einen ganzen Monat Urlaub nehmen mußte, damit die peinliche Affäre in Vergessenheit geraten konnte.
Manche behaupteten, er wäre an jenem Abend betrunken gewesen und hätte vor allen — bei Tisch — mit dem Dienstmädchen schön getan. Andere behaupteten, es wären... Umstände ...... die ihre Entfernung dringend forderten. Alle aber waren darin einig, die Professorin wäre eine prächtige Frau, daß sie solche Energie entwickelt hätte, wo es galt, ihre Tochter zu retten. Und alle hatten großes Mitleid mit Gabrielle. Pastor Simonson sagte, sie trage ihr Unglück mit einer Ergebenheit, die deutlich zeige, daß sie bei dem wahren Tröster Trost gesucht und gefunden habe.