„Ja, die Birken haben schon große Knospen“, antwortete Ernst.

Die Fahrt ging in gemütlichem Tempo. Es waren des Propstes eigene Kutsche und des Propstes eigene Pferde, mit denen sie fuhren, und die Pferde waren nicht gewöhnt, sich zu überanstrengen. Fett und glänzend und braun standen sie winters und sommers in ihrem Stall und fraßen ihren Hafer und ihr Heu. Mußten sie einmal eine Meile oder zwei laufen, so ging der Propst immer erst selber in den Stall hinunter und fragte Johann, ob sie in der letzten Zeit viel hätten laufen müssen, und wenn Johann grade bei guter Laune war, so antwortete er: „Nein, sie können’s schon leisten“. War er aber aus irgend einem Anlaß schlechter Laune, so machte er alle nur möglichen Einwendungen. Entweder mußte das eine Pferd frisch beschlagen oder der Wagen geschmiert werden, oder auch hatte er einen ganzen Tag lang Wasser geführt und die Pferde mußten rasten. Dann mußte der Propst parlamentieren und Johann gut zureden. Denn Johann war schon lang auf dem Hof und hatte seinen eigenen Kopf. Und in dieser Sache hatte er fast ebensoviel zu bestimmen, als der Propst.

Diese Fahrt hauptsächlich war ihm ein Dorn im Auge. Der Propst hatte nämlich angedeutet, er müsse am Sonntagabend wieder nach der Stadt zurückfahren. Und Johann fand, das wären allzu große Umstände wegen eines armen Vikars. Von so einem machte man doch sonst kein so großes Wesen, meinte er. Der Propst hatte ihm ja freilich erklärt, der Vater des jungen Pastors sei ein alter Freund von ihm, und er besuche ihn nur auf seinen, des Propstes, ausdrücklichen Wunsch. Aber Johann hatte diese Erklärung nicht gelten lassen. Er glaubte steif und fest, es wäre nichts als eine Laune des neuen Vikars. Und darum fuhr er den ganzen Weg in möglichst sachtem Tempo und ließ die Pferde jede kleinste Steigung Schritt gehen. Als sie eine Meile gefahren waren, hielt Johann mitten in einem Wald an und fütterte die Pferde.

„Es ist zuviel für sie, wenn sie zwei Tage hintereinander vier Meilen machen müssen!“ sagte er.

Der Weg führte jetzt durch Waldgegend. Von den Tannen kam ein frischer Duft und die Sonne schien warm auf das feuchte Moos unter den Bäumen.

Plötzlich brach Ernst das Schweigen.

„Bist du hier schon einmal gewesen, Papa?“ fragte er.

„Nein“, sagte der Adjunkt. „Aber ich habe dir ja gesagt, daß du nicht zu Fremden kommst. Vor zeiten saß ein Bruder meines Großvaters hier als Propst bis zu seinem Tod.“ Ernst seufzte. Es irritierte ihn stets, wenn der Gymnasiallehrer von der Familie sprach, dieser entsetzlichen Familie, der er zum Opfer gebracht wurde. Und eine unerklärliche Angst bemächtigte sich seiner.

„Ist es noch weit?“ fragte er.