Bis zum Viehstall hin breitete sich die Stille. Die Kuhmagd sang nicht, wenn sie melkte, sie schrie nicht durch den Wald, wenn sie die Kühe zusammentrieb, sondern diese kamen ganz von selber, fromm und sittig, stellten sich am Gatter auf und ließen geduldig ihre vollen Euter in den dampfenden Kübel leeren. Still standen sie auch im Stall, wedelten in einförmigem Takt mit den Schwänzen, kauten melancholisch das trockene Heu oder lagen wiederkäuend da und starrten mit großen glänzenden Augen nachdenklich die Holzbalken der Decke an. Sogar der Stier schien sich das Brüllen abgewöhnt zu haben, und wenn ab und zu ein Hahn krähte, so klang das so störend schrill in die allgemeine Stille hinein, daß die Propstin von ihrem Stuhl im Wohnzimmer, wo sie saß und häkelte, auffuhr und sich die Ohren zuhielt.

Ebenso still ging es draußen auf Feld und Wiese zu. Die Knechte schrien die Ochsen, die am Pflug gingen, nicht an, und ein Fluch wäre hier ebenso undenkbar gewesen wie ein Mord. Schweigsam und ruhig zogen sie an den Zügeln, oder gebrauchten ärgerlich und wortlos die Peitsche; und die geduldigen Tiere beugten den Nacken unter dem Joch und zogen den Pflug durch die langen graden Furchen oder die Holzfuhre vom Wald heim oder die Heuwagen vor die Tür der großen, geräumigen Scheuer.

Denn dies Haus war ein heiliges Haus, und die darinnen wohnten, waren Diener des Herrn. Es lag keinerlei Heuchelei in ihrer Frömmigkeit; sie hatte nur dem ganzen Pastorat ein Gepräge aufgedrückt, als wären das Haus und seine Bewohner nicht von dieser Welt; und wenn die Bauern etwas mit dem Propst zu reden hatten und durch das grüne Gatter traten, so gingen sie immer mit sachten, zögernden Schritten über den Hof, und mancher gebeugte, grauhaarige Alte zog auf der Treppe die schweren Schuhe aus, eh er es wagte, vor die weiß angestrichene Türe zu treten, die sich so still in ihren wohlgeölten Angeln drehte.

Im Wohnzimmer mit seinen weißen Läufern, überzogenen Möbeln und halb herabgelassenen Gardinen saßen jetzt Ernst Hallin und sein Vater mit dem Propst, während die Propstin in der Küche ihre Befehle gab. Die drei Herren warteten auf das Mittagessen; sie schwiegen so lang, daß man das Ticken der alten Standuhr zählen konnte, die auf der Marmorplatte vor dem hohen Wandspiegel stand.

„Ja, es ist still und ruhig hier“, sagte der Propst endlich. „Aber der Friede des Herrn wohnt bei uns.“

Kaum ein Geräusch war im ganzen Haus vernehmbar. Durch die geschlossene Eßzimmertür drang nur ein undeutliches Klappern von Tellern, die leise aufeinander gestellt, und von Silber, das auf das Tischtuch gelegt wurde.

Der Propst hustete; denn keiner von den Herren antwortete.

„Hier wohnt der Friede des Herrn!“ sagte er ein zweites Mal. Der Adjunkt beeilte sich, die Worte durch ein Kopfnicken zu bekräftigen; Ernst hob die Gardine ein wenig und sah auf den Hof hinaus.

Vier Hunde lagen da und wärmten sich in der Sonne. Es waren zwei Hühnerhunde und zwei kolossale Hofhunde, von jeder Sorte ein Paar.