Zuletzt kam auch der große Hofhund wieder, einsam und majestätisch, und legte sich auf seinen Platz vor der Treppe. Einmal noch hob er den Kopf und knurrte den Hühnerhund an. Dann glättete sich das Fell auf seinem Rücken, der Kopf sank zwischen die gewaltigen Vordertatzen und die Augen schlossen sich.
Ernst unterdrückte ein Lachen.
„Beißen sie sich nie?“ fragte er und errötete selbst über seine kindische Frage.
„Nein“, erwiderte der Propst und schüttelte den Kopf. „Die beißen sich nie.“
Wieder hörte man das gleichmäßige Ticken der Uhr durch die Stille. Von der Eßzimmertür zum Fenster lief ein langer Streifen von Staubwirbelchen, die in allen Regenbogenfarben spielten.
Nun öffnete sich leise die Tür; ein Dienstmädchen in schlichter Kleidung mit glattgestrichenem Haar verkündete, das Essen wäre bereit.
Im Speisezimmer wartete die Propstin und bat die Herren, vorlieb zu nehmen. Neben ihr stand eine kleine, dicke Blondine mit blauen schläfrigen Augen und zartem Teint, die sie als „meine Tochter“ vorstellte. Sie sprach während der ganzen Mahlzeit kein Wort, aß aber von allen Gerichten; und wenn die andern sich unterhielten, faltete sie die kleinen fetten Hände im Schoß, starrte die Wand an oder senkte den Kopf, daß, wo das schwarze Kleid sich um den weichen Hals schloß, eine kleine Speckfalte entstand.
Der Propst ging zu ihr hin und strich ihr übers Haar.
„Was hast du gemacht heut, Amelie?“ fragte er.
„Ich habe meine neuen Taschentücher gesäumt“, antwortete Amelie und warf von der Seite her einen Blick auf die Gäste.